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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 72. Band, (Jahrgang 1872)

Wahl  und  Thronbesteigung  Adrian’s  VI.

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ganz  auf  ihre  Seite  treten.  Der  Cardinal  von  Colonna,  welcher
anfänglich  für  ihn  war,  trennte  sich  von  ihm  und  dachte  wie
so  mancher  Andere,  selbst  Papst  zu  werden,  während  das
Treiben  des  ganzen  Collegiums  auf  Näherstehende  den  .Eindruck ­
  machte,  man  befinde  sich  weniger  am  Vorabende  einer
Papstwahl  als  vielmehr  eines  Schisma’s. 1  Da  war  ferner  der
Cardinal  Fiesco  (Flisco),  als  Genuese  ,unberechenbar';  Jacobatius
  galt  als  wohlbewandert  in  Angelegenheiten  der  Rota,  dieses
obersten  Gerichtshofes  der  Christenheit,  war  aber  hochbetagt
und  hatte  aus  früher  Ehe  so  viele  Söhne,  als  P.  Leo  Neffen,
d.  h.  zahllos,  wie  man  sich  scherzend  ausdrückte. 2  Den  Cardinal ­
  Petruccio  hatte  man  nur  Tarquinius  Superbus  II.  genannt.
Er  hatte  einen  Saneson  in  den  Kerker  werfen  und  dessen  Gattin ­
  zu  sich  bringen  lassen.  Letztere,  wohl  wissend,  welches
Schicksal  ihr  bevorstehe,  nahm  während  sie  sich  ankleidete
Gift  und  die  Häscher  mussten  dem  wollüstigen  Tyrannen  die
Nachricht  bringen,  der  Gegenstand  seiner  Liebe  liege  in  den
Zügen.  Die  Pflege  ihrer  Verwandten  brachte  sie  wieder  ins
Leben. 3  Ihre  That  galt  aber  als  um  so  glänzender,  da  sie  als
Tochter  einer  berühmten  römischen  Buhlerin  ihrem  Gemälde
die  Treue  bewahrte.  Der  Cardinal  Sauli  hatte  50000  Ducaten
bezahlt,  um  Cardinal  zu  werden. 1  —  Der  Cardinal  Farnese,
damals  55  Jahre  alt  und  Anhänger  der  guelfischen  und  orsinischen
  Partei,  hatte  zwei  Söhne  und  eine  Tochter,  besass
mehrere  Bisthümer  und  stattete  den  einen  seiner  Söhne  mit
einem  Bisthum  aus,  während  der  ältere,  20  Jahre  alt,  50  Lanzen
gegen  die  Franzosen  in  Mailand  befehligte.  Allein  Dinge  dieser
Art  machten  in  jenem  Zeitalter  der  persönlichen  Würde  keinen
Eintrag.  Man  musste  sich  höchstens  gefasst  machen,  dass,  wenn
Farnese  Papst  würde,  sein  Geschlecht  auf  Kosten  des  Kirchen-1

  Siehe  den  vortrefflichen  Bericht  Clerk’s,  des  englischen  Gesandten  in  Rom,
'an  Wdlsey  über  seine  Unterredungen  mit  Medici,  Colonna  u.  a.  I  assure
your  grace,  here  is  a  marvellous  division  and  we  were  never  likelier  to
have  a  schism.
2  Pace  to  Wolsey  31.  Dec.  1.  c.  n.  1918.  Er  war  72  Jahre  alt.  Clerk
urtheilte  über  ihn,  dass,  wenn  die  Kirche  sich  nur  um  geistliche  Dinge
zu  kümmern  hätte,  er  der  rechte  Mann  wäre.  1.  c.  n.  1932.
3  Gio.  Negri  an  M.  Antonio  Micheli.  Brief  vom  29.  Dec.  1522.
4  Gradenigo  bei  Alberi  p.  68.
Sitzt,  d.  pliil.-hist.  CI.  LXXU.  Bd.  I.  Hft.  11
            
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