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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 72. Band, (Jahrgang 1872)

Wahl  und  Thronbesteigung  Adrian's  VI.

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zu  sichern.  Die  Erhebung  des  Bischofs  von  Lüttich,  der  dann
als  Cardinalerzbischof  von  Valencia  starb;  die  des  Markgrafen
Albrecht  von  Brandenburg,  Churfürsten  von  Mainz  batte  auf
die  innere  Gestaltung  der  deutschen  Verhältnisse  wenig  oder
gar  keinen  Einfluss.  Selbst  die  des  Cardinais  von  San  Giovanni ­
  e  Paolo,  Adrians,  berührte  wenigstens  jetzt  Deutschland ­
  nur  oberflächlich,  da  seine  ganze  Thätigkeit  Spanien  zugewandt ­
  war;  nur  insofern  war  sie  für  Deutschland  und  die
daselbst  vorhandene  Parteistellung  massgebend,  als  Adrian  unmittelbar ­
  dem  Volke  entsprungen,  Schöpfer  und  Gründer  seines
Glückes,  Repräsentant  jener  Richtung  unter  den  Gelehrten  war,
die  sich  nicht  auf  den  bewegten  Ocean  des  Humanismus  hinauswagte, ­
  sondern  an  dem  Traditionellen  festhaltend,  selbst
in  der  Vernichtung  der  Bücher  Reuchlins  1  1515  Heil  erwartet
hatte.  Bereits  am  14.  November  1516  zum  Grossinquisitor  von
Aragonien  und  Navarra  ernannt,  wurde  er  es  am  4.  März  1518
auch  für  Castilien  und  Leon,  jedoch  ohne  dass  es  dem  Cardinal ­
  und  vierfachen  Grossinquisitor  möglich  gewesen  wäre,  der
Verbreitung  der  Schriften  des  Augustiner-Mönches  Martin  Luther
in  Spanien  wirksam  entgegenzutreten.  Hatte  er  bereits  Reuchlins ­
  Schriften  im  Streite  mit  Hochstraten  für  gefährlich  erachtet, ­
  so  konnte  er  sich  sehr  bald  überzeugen,  wie  unschuldiger ­
  Natur  sie  gegen  die  des  Professors  von  Wittenberg  waren,
gegen  welche  sich  selbst  die  Erklärungen  der  spanischen  Granden ­
  unwirksam  erwiesen.  Auch  er  musste  sehr  bald  empfinden, ­
  dass  er  sich  einer  Macht  gegenüber  befinde,  gegen  welche
das  Rüstzeug  der  früheren  Jahrhunderte  sich  unwirksam  erwies ­
  und  die  in  fortwährendem  Steigen  begriffen  war,  ohne  dass
sich  ein  Mittel  gefunden  hätte,  ihr  zu  begegnen.  Blickte  man
vollends  auf  die  in  Rom  und  Italien  residirenden  Cardinäle,  so  bot
das  Cardinais  -  Collegium  das  treue  Abbild  jener  Zerrissenheit
und  Feindschaft  dar,  die  damals  Italien  und  die  ganze  Christenheit ­
  durchzogen.  An  der  Spitze  desselben  stand  der  Cardinal
Julius  von  Medici,  nachgeborner  und  natürlicher  Sohn  Giuliano’s
  von  Medici,  welcher  am  21.  April  1478  durch  die  Verschwörung ­
  der  Pazzi  im  Dome  von  Florenz  sein  Leben  verlor. ­
  Am  26.  Mai  desselben  Jahres  wurde  Julius  geboren  und

1  Literae  Adriani  Florentii  de  Trajecto  ad  Cardinalem  S.  Crucis  de  Reuclilini
  libris  delendis.  Böking  TTlrichi  Hutteri  opp.  supplementum.  T.  I.
            
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