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bat, 1 der Armuth eingedenk zu sein, die Adrians unzertrennliche
Lebensgefährtin sei, so zwar, dass er nur durch königliche
Unterstützung die hohe Würde bekleiden könne. Wenn
ein Pasquill jener Tage die Cardinaispromotion Leo’s als eine
Finanzspeculation darstellte, die ihm mehr als eine halbe Million
Ducaten eingetragen habe, so hat diese Beschuldigung, der
auch Guicciardini nicht fern steht, wenigstens keine Beziehung
auf Adrian von Utrecht, den Barbaren, wie ihn der fiorentinisclie
Geschichtschreiber nennt.
Es gab aber auch noch einen andern Standpunkt, von
welchem aus die Erhebung Deutscher, Franzosen, Italiener,
Spanier, Portugiesen, Engländer zu Cardinälcn angesehen werden
konnte. Leo X. schien von dem Gedanken erfüllt zu sein,
welcher einst Leo IX. den deutschen Papst beseelt hatte, das
Cardinalscollegium in einen Senat der gesammten Christenheit
umzuwandeln, die hier ihre natürliche Repräsentation finden
sollte. Man kann denn doch nicht leugnen, dass, wenn unter
den 31 Ernannten sich gar viele befanden, die nach ihrem
Vorleben hier nicht Sitz und Stimme führen sollten, es von
grosser Bedeutung war, dass am Vorabende der Reformation,
die ja selbst in Westeuropa 2 auf das dringendste verlangt
wurde, die verschiedensten Staaten in Rom unmittelbar durch
Persönlichkeiten vertreten und mit dem Papstthum verknüpft
waren, die dort selbst das grösste Ansehen genossen. Es war
eine lebendige Mauer, die Leo um seinen Thron zog und von
der man nun sehen konnte, ob sie den Stürmen der Zeit gewachsen
war, welche nicht lange auf sich warten Hessen. Zwar
war die deutsche Nation hiebei am stiefmütterlichsten bedacht,
während bei der stürmischen Bewegung der Geister gerade
hier schon die Klugheit geboten hätte, die tüchtigsten Persönlichkeiten
zu gewinnen, und vergeblich griff daher Adrian
später zu dem Mittel, durch Pfründen und ähnliche Unterstützungen
den deutschen Gelehrten eine unabhängige Existenz
1 Octavo cal. Febr. a" V. Henke, Anhang zum II. Bd. von Roskoe’s Leo X.
n. XLIV.
2 Schon K. Emanuel von Portugal hatte deshalb in Verbindung mit K. Ferdinand
von Aragonien eine eigene Gesandtschaft (unter Alexander VI.)
nach Rom geschickt. Osorio de rebus Emtnanuelis Lusitaniae Regis.
Bd. I. pag. 21.