Skip to main content Jump to sidebar

Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 72. Band, (Jahrgang 1872)

158

H  o  f  1  e  i*.

bat, 1  der  Armuth  eingedenk  zu  sein,  die  Adrians  unzertrennliche ­
  Lebensgefährtin  sei,  so  zwar,  dass  er  nur  durch  königliche ­
  Unterstützung  die  hohe  Würde  bekleiden  könne.  Wenn
ein  Pasquill  jener  Tage  die  Cardinaispromotion  Leo’s  als  eine
Finanzspeculation  darstellte,  die  ihm  mehr  als  eine  halbe  Million
Ducaten  eingetragen  habe,  so  hat  diese  Beschuldigung,  der
auch  Guicciardini  nicht  fern  steht,  wenigstens  keine  Beziehung
auf  Adrian  von  Utrecht,  den  Barbaren,  wie  ihn  der  fiorentinisclie
  Geschichtschreiber  nennt.
Es  gab  aber  auch  noch  einen  andern  Standpunkt,  von
welchem  aus  die  Erhebung  Deutscher,  Franzosen,  Italiener,
Spanier,  Portugiesen,  Engländer  zu  Cardinälcn  angesehen  werden ­
  konnte.  Leo  X.  schien  von  dem  Gedanken  erfüllt  zu  sein,
welcher  einst  Leo  IX.  den  deutschen  Papst  beseelt  hatte,  das
Cardinalscollegium  in  einen  Senat  der  gesammten  Christenheit
umzuwandeln,  die  hier  ihre  natürliche  Repräsentation  finden
sollte.  Man  kann  denn  doch  nicht  leugnen,  dass,  wenn  unter
den  31  Ernannten  sich  gar  viele  befanden,  die  nach  ihrem
Vorleben  hier  nicht  Sitz  und  Stimme  führen  sollten,  es  von
grosser  Bedeutung  war,  dass  am  Vorabende  der  Reformation,
die  ja  selbst  in  Westeuropa 2  auf  das  dringendste  verlangt
wurde,  die  verschiedensten  Staaten  in  Rom  unmittelbar  durch
Persönlichkeiten  vertreten  und  mit  dem  Papstthum  verknüpft
waren,  die  dort  selbst  das  grösste  Ansehen  genossen.  Es  war
eine  lebendige  Mauer,  die  Leo  um  seinen  Thron  zog  und  von
der  man  nun  sehen  konnte,  ob  sie  den  Stürmen  der  Zeit  gewachsen ­
  war,  welche  nicht  lange  auf  sich  warten  Hessen.  Zwar
war  die  deutsche  Nation  hiebei  am  stiefmütterlichsten  bedacht,
während  bei  der  stürmischen  Bewegung  der  Geister  gerade
hier  schon  die  Klugheit  geboten  hätte,  die  tüchtigsten  Persönlichkeiten ­
  zu  gewinnen,  und  vergeblich  griff  daher  Adrian
später  zu  dem  Mittel,  durch  Pfründen  und  ähnliche  Unterstützungen ­
  den  deutschen  Gelehrten  eine  unabhängige  Existenz
1  Octavo  cal.  Febr.  a"  V.  Henke,  Anhang  zum  II.  Bd.  von  Roskoe’s  Leo  X.
n.  XLIV.
2  Schon  K.  Emanuel  von  Portugal  hatte  deshalb  in  Verbindung  mit  K.  Ferdinand ­
  von  Aragonien  eine  eigene  Gesandtschaft  (unter  Alexander  VI.)
nach  Rom  geschickt.  Osorio  de  rebus  Emtnanuelis  Lusitaniae  Regis.
Bd.  I.  pag.  21.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.