Skip to main content Jump to sidebar

Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 72. Band, (Jahrgang 1872)

Wahl  und  Thronbesteigung  Adrian’s  Yl.

157

und  hingerichtet,  die  übrigen  exilirten  sieb  zum  Theil  selbst.
Leo  X.  musste  daran  denken,  das  Cardinais  -  Collegium  zu  ergänzen ­
  und  that  es  nun  in  solcher  Weise,  dass  er  am  25.  Juni
1517  nicht  weniger  als  31  Cardinäle  auf  einmal  ernannte,  unter
ihnen  zwei  Söhne  seiner  Schwestern  und  mehrere  unbedingte
Anhänger  des  mediceischen  Hauses,  zwei  Trivulzi,  und  aller
schlimmen  Erfahrung  der  früheren  Zeiten  zum  Trotze  einen
Colonna  und  einen  Orsini,  nachdem  Julius  II.  absichtlich  sie  beseitigt ­
  hatte. 1  Unter  ihnen  auch  drei  Ordensgenerale,  der  Augustiner, ­
  Franciskaner  und  Dominikaner,  Aegidius  von  Viterbo,
ausgezeichnet  durch  Unbescholtenheit,  Gelehrsamkeit  und  Unabhängigkeit ­
  der  Gesinnung,  die  er  in  so  hervorragendem  Grade
schon  vor  5  Jahren  bei  dem  lateranischen  Concil  bewiesen,
Christoph  Numatio  und  Thomas  de  Vio,  Cardinal  von  Gaeta,
dessen  Name  sehr  bald  in  den  deutschen  Religionswirren  eine
grosse  Bedeutung  erlangte.  An  diese  Männer,  welche  ihre
Erhebung  nur  ihren  Tugenden,  ihrer  Gelehrsamkeit  und  Talenten ­
  verdankten,  schlossen  sich  in  würdiger  Weise  Lorenzo
Campeggio,  der  Freund  des  Cardinais  von  York,  Johann  Piccolomini, ­
  Erzbischof  von  Siena,  Nicolaus  Pandolfini  von  Florenz,
Alessandro  Cesarini,  Bischof  von  Pistoja,  der  Rechtsgelehrte
Dominico  Jacobazzi,  der  Römer  Giovanni  Dominico  de’  Lupi
uud  Andrea  della  Valle,  endlich  auch  Adrian  von  Utrecht  an.
War  die  Wahl  Ludwigs  von  Bourbon  ebenso  eine  Berücksichtigung ­
  seiner  Tugenden  als  seines  Hauses,  die  des  Cardinais
Alfons  von  Portugal  vor  Allem  eine  Rücksicht  auf  seinen  königlichen ­
  Vater,  so  geschah  die  Adrians  wegen  seiner  besonderen ­
  Kenntniss  der  Theologie,  seiner  ausgezeichneten  Sitten
und  wie  es  scheint  in  Berücksichtigung  des  Wunsches  K.  Karls.
Der  Papst,  welcher  auch  von  Kaiser  Maximilian  dazu  ersucht
worden  war,  fühlte  sich,  wie  Paul  Giovio  die  Sache  darstellt,
noch  besonders  durch  die  Empfehlungen  des  beredten  Grafen
Albert  von  Carpi  und  Wilhelm  Enkevords,  dessen  Stimme  schon
damals  bei  der  Curie  im  Ansehen  stand,  bewogen. 2  Das  rühmlichste ­
  Zeugniss  aber  gab  ihm  P.  Leo  selbst,  als  er  K.  Karl
1  Esseiido  sempre  la  grandezza  de’  Baroni,  depressione  e  inquietudine  de
Pontefici.  Guicciard.  T,  II.  p.  1015.
2  Vita  Hadriani  c.  V.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.