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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 72. Band, (Jahrgang 1872)

Wahl  uml  ThronbßHleiguiig  Adrian’«  VI.

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kaiserlichen  Politik,  die  Könige  von  Polen  und  Ungarn  nur
dann  zu  unterstützen,  wenn  sie  sich  gegen  Frankreich  erklärten. 1
Dazu  kam  noch  vieles  Andere.
Man  berechnete  das  Einkommen  P.  Leo’s  auf  300,000  Ducaten
  jährlich  an  weltlichen  Bezügen,  100,000  an  geistlichen  und
auf  dem  Wege  der  sogenannten  Compositionen  mehr  als  ebensoviel,
im  Ganzen  über  500,000  Ducaten. 2  Er  hatte  Aemter  und  Würden
geschaffen  und  verkauft,  um  Geld  zu  erlangen,  seinen  Haushalt
zu  bestreiten,  seine  Kriege  zu  führen,  seiner  Familie  Florenz
zu  wahren.  Trotz  einer  Million  Schulden,  die  er  hinterliess, 3
trotzdem  dass  er  nicht  die  Schweizer  in  seinem  Dienste  bezahlte, ­
  reichte  nichts  und  starb  er  so  arm,  dass  zu  seinem
Leichenhegängniss  die  Kerzen  von  den  Exequien  dos  Cardinal
San  Giorgio  verwendet  werden  mussten,  der  eben  gestorben  war.
Sein  Tod  war  das  Signal  für  alle  mit  seiner  Regierung
unzufriedenen,  von  dieser  Vertriebenen,  die  Rückkehr  in  ihre
Heimath  mit  Gewalt  zu  versuchen.  Francesco  Maria  aus  dem
Hause  Rovere  setzte  sich  in  den  Besitz  von  Urbino,  Gismondo
di  Verano  in  den  von  Camerino,  Sigismunde  Malatesta,  Sohn
des  Pandolfo,  bemächtigte  sich  Rimini’s.  Man  befürchtete,  die
Venetianer  wollten  sich  in  den  Besitz  von  Ravenna  Und  Cervia
  setzen  und  Modena  und  Reggio  dem  Herzoge  von  Ferrara
nehmen.  Kirche  und  Kirchenstaat  befanden  sich  in  gleich
grossem  Gedränge;  der  Einsturz  beider  schien  durch  die  verfehlten ­
  Massregeln  Leo’s  und  seiner  Vorgänger  unausbleiblich,
und  was  lange  mit  Mühe  sich  gehalten,  wie  mit  einem  Male,
aber  jetzt  auch  unaufhaltsam  zum  Bruche  zu  kommen.  Das
Schlimmste  aber  war  der  Zustand  des  Cardinais  -  Collegiums
selbst,  das  seit  mehreren  Jahrzehnten  der  Sitz  der  Verschwörung ­
  gegen  die  Kirche  wie  gegen  die  Päpste  gewesen  war
und  wo  Anschauungen  und  Gewohnheiten  herrschten,  die  mit
der  Aufgabe  der  Kirche  im  directestcn  Widerspruche  standen.

1  Karls  Schreiben  vom  20.  Dec.  1521.
2  Gradenigo  relaz.  p.  72.
3  K.  Franz  meinte:  1,200,000  Kronen.  Brew.  n.  1947.  K.  Franz  verstand
es  jedoch  gründlich,  sich  und  Andere  zu  heiligen,  wie  die  Franzosen
denn  schon  damals  als  diejenigen  galten,  welche  ganze  Historien  ersannen
Und  in  Umlauf  setzten,  zuletzt  wohl  sie  selbst  glaubten,
            
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