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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 72. Band, (Jahrgang 1872)

Walil  und  Thronbesteigung  Adrian's  Vf.

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Sie  war  bereits  im  J.  1519  (17.  Jänner)  durch  den  Vertrag ­
  P.  Leo’s  X.  mit  K.  Karl  unmittelbar  nach  dem  Tode
K.  Maximilians  eingeleitet  worden.  Der  mediceische  Papst
gab  um  die  Herrschaft  seines  Geschlechtes  und  seines  Neffen
in  Urbino  zu  retten,  alles  preis,  was  im  Mittelalter  von  den
grössten  Päpsten  mit  geistlichen  und  weltlichen  Waffen  vertheidigt
  worden  war.  Er  begann  sich  vor  jenem  Frankreich
zu  fürchten,  aus  welchem  einst  seine  Vorgänger  sich  Hülfe
gegen  die  Staufer  erholt,  das  aber  seine  Dienste  sich  noch
theurer  hatte  zahlen  lassen,  als  den  Nachfolgern  Innocenz  III.
die  Erhebung  des  sicilianischen  Staufers  (Friedliches  II.)  auf
den  deutschen  Thron  zu  stehen  gekommen  war.  Hatten  die
Päpste,  um  nur  Italien  und  das  Königreich  Sicilien  zumal  nicht
mit  dem  Kaiserthum  vereint  zu  sehen,  den  Himmel  wie  den
Acheron  in  Bewegung  gesetzt,  so  genügte  es  dem  Mediceer,
,wenn  nur  Rom  als  gemeinsames  Vaterland  Aller  angesehen
würde',  dem  Könige  von  Spanien  seine  sicilianischen  und  oberitalischen
  Besitzungen  zu  garantiren  und  ihm  damit  den  Schemel ­
  zur  Besteigung  des  römischen  Kaiserthrones  mit  eigenen
Händen  zu  halten.  Der  Vertrag  des  Papstes  mit  dem  erwählten ­
  Kaiser  Karl  am  8.  Mai  1521  stellte  sich  aber  auf  eine
ganz  mittelalterliche  Basis  und  konnte  seinen  Grundsätzen
nach  ebensogut  im  XIII.,  ja  vielleicht  noch  besser  als  im
XVI.  Jahrhunderte  abgeschlossen  werden.  Es  ist  das  ein  für
die  Reformationsgeschichte  unendlich  wichtiges  Moment,  dass
gerade  jetzt  die  extreme  Richtung  des  Mittelalters  zum  Siege
kam,  gerade  jetzt  Kaiser  und  Papst  sich  verständigten  und
gegen  eine  Welt  von  Feinden,  die  zum  Theil  ihr  Antagonismus
gross  gezogen,  sich  die  Hände  reichten.  Wie  bemerkt,  wurde
die  päpstliche  und  kaiserliche  Gewalt  als  die  höchste,  die  Gott
eingesetzt  habe,  bezeichnet,  als  diejenige,  welche  Rechenschaft
zu  geben  habe  über  die  Verwaltung  und  Regierung  der  ganzen
Christenheit.  An  ihnen  ist  es  die  Sitten  zu  bessern,  den  all-•
  gemeinen  Frieden  herzustellen,  den  allgemeinen  Krieg  gegen
die  Türken  zu  unternehmen,  Alles  in  einen  bessern  Stand  und
in  bessere  Form  zu  bringen.  ,Da  alles  Uebel  nur  daraus  entstanden ­
  war,  dass  einige  Fürsten  gegen  die  wahren  und

1  Urbs,  quae  semper  communis  patria  est  liabita.  Cino  Cappom,  trattato
segreto.
            
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