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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 72. Band, (Jahrgang 1872)

Wahl  und  Thronbesteigung  Adrian’s  VI.

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alter  umzugestalten  vermochte.  Man  meinte  damals,  dass  die
Vermählung  K.  Karls  mit  der  Tochter  Heinrichs  VIH.  von
England,  die  Verbindung  des  doch  immer  geldbedürftigen  Kaisers
mit  dem  reichen  England  die  Vernichtung  Frankreichs  herbeiführen ­
  werde. 4  In  der  That  häuften  sich  die  Klagen  über  die
französische  Treulosigkeit  von  allen  Seiten.  P.  Clemens  beschwerte ­
  sich,  dass  der  König  niemals  seine  Verträge  halte,
den  Herzog  von  Urbino  gegen  ihn  unterstütze,  ihm  Ferrara
nicht  ausliefere,  wozu  er  verpflichtet  sei.  Er  machte  kein  Hehl
daraus,  dass  es  hohe  Zeit  sei,  die  Frechheit  der  Franzosen  zu
züchtigen,  er  wolle  sein  Blut  dafür  verspritzen,  sie  aus  Italien
zu  treiben.  Als  die  Franzosen  auch  noch  Reggio  besetzten,
kannte  der  Aerger  des  mediceischen  Papstes  keine  Grenzen. 2
Damals  erhielt  Cardinal  Wolsey,  der  England  neben  Heinrich ­
  VIII.  regierte,  seine  grossen  kirchlichen  Vollmachten;  Clemens ­
  empfing  den  weissen  Zelter  von  Neapel  als  Huldigung  des
Lehenkönigreichs.  In  der  Furcht,  durch  ein  Bündniss  der  Venetianer
  mit  dem  französischen  Könige  erdrückt  zu  werden,  sah
Clemens  keinen  andern  Ausweg,  als  sich  den  Spaniern  zu  nähern.
Damals  versuchte  Cardinal  Wolsey  in  Calais  zwischen  Karl
und  Franz  (Juli  und  August)  zu  vermitteln, 3  aber  der  Papst
hatte  bereits  K.  Karl  als  päpstlichen  Vasall  wie  als  katholischen
König  und  Kaiser 4  gegen,  den  König  von  Frankreich  aufgerufen, ­
  jener  ihm  alle  Hülfe  versprochen.  Leo  X.  dachte  im
Hochsommer  1521  nur  an  den  Krieg  mit  Frankreich.  Er  hatte
12000  M.  z.  F.,  1400  Reiter,  und  glaubte,  dass  die  Franzosen
diesen  Streitkräften  nicht  gewachsen  seien.  Er  hoffte  auf  eine

1  Which  will  be  the  destruetion  of  France.
2  He  says  it  is  high  time  to  punish  the  insolence  of  France  and  he  will
spend  his  blood  to  drive  them  out  of  Italy.  Vorher  aber  hatte  er  mit  den
Franzosen  und  Venetianern  zur  Vertreibung  der  Spanier  aus  dem  Königreiche ­
  Sicilien  unterhandelt.  Brewer  p.  575.  n.  1419.
3  The  two  chiefs  powers  in  Christendom  liave  sent  tlieir  Chancellors  to  Calais ­
  to  debate  their  matters  before  your  lieutenant.  Brief  von  Heinrich ­
  VIII.  v.  13.  Juli.
4  Karl  war  in  Kraft  der  goldenen  Bulle  zur  vollen  kais.  Administration  gelangt: ­
  The  Pope  also  in  aclcnowledging  him  Emperor  has  dispensed  with
his  oatli.  Bericht  de  Prat’s.  p.  601.
            
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