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T li a n g r.
,Privilegia siquidem non debent sanetorum patrum
auctoritatem infringere.' Die Privilegien haben von vorneherein
nicht die Kraft, die Autorität der h. Väter zu schwächen,
,sed utilitati sanctae ecclesiae prospicereb Gregor VII. bestreitet
also den Privilegien ganz und gar den rechtlichen Charakter,
sie dienen nur zu Zwecken der augenblicklichen Kirchenpolitik:
,si necessitas vel utilitas maior exegerit, licenter valent commutarib
Ln praktischen Erfolge laufen die Theorien Gregor’s VIJ.
und Gratian’s auf dasselbe hinaus, auf Widerruflichkeit der
Privilegien. Aber ersterer geht zu diesem Ziele vom geraden
Gegentheile dessen aus, was Gratian behauptet. Nach Gregor VII.
dürfen Privilegien das gemeine Recht nicht ändern. In treuer
Befolgung dieses Grundsatzes hätten freilich Privilegien im
Sinne von Vorrechten gar nie verliehen werden dürfen. 1 Da
es nun doch geschehen war, wandelte sie der Papst zu rein
politischen Massregeln um, die zunächst zum Vortheil der Kirche,
nicht des Boliehenen erfolgen. Der Papst drückt also die Privilegien
auf eine niedere Stufe herab, um ihre Widerruflichkeit
darzuthun; Gratian dagegen stellt sie den Canones gleich, hebt
aber dafür die päpstliche Gewalt über die Canones empor.
Dem Papste war eben der Gratian’sche Begriff der päpstlichen
Gesetzgebungsgewalt noch unbekannt. 2
1 Gregor VII. tadelt die Berufung des Erzbischofs auf sein verbrieftes Sonderrecht
als eine Ueberhebung: ,Ne igitur ad tantum velit culmen vestra
fraternitas erigi, nt, quae in causis omninm Romanis pontifieibus rata
fuerunt et licita in vestri solius causa irrita velitis et illicita reddi. 1 Zum
Schlüsse fügt er freilich wieder eine beschwichtigende Erklärung hinzu:
,Nec id dicimus, nt privilegia vestrae ecclesiae contra rationein vel infringi
velimus vel imminui; de quibus vita comite suo tempore ore ad os otiosius
collocuturi sumus. Sed interim 1 etc.
2 Das gleiche gilt von Berthold von Constanz, Mon. res. Alem. illustr.
T. II. Hermanni Contracti Chronici etc. San. Blas. 1792, p. 354. De canonum
auctoritate, c. L1X.: ,Nequaquam ergo aliquid Romanus pontifex contra
canones agit, si quando illos pro consideratione temporum nunc intendit,
nunc remittit; quum et ipsi canones tale privilegium indubitanter concesserint.
1 Indem Berthold vertheidigt, dass der Papst durch Dispensationen
nicht gegen die Canones handle, huldigt er stillschweigend dem Grundsätze,
dass er gegen sie nicht handeln dürfe. Dieser Anhänger Gregor’s VII.
räumt dem Papste in der angeführten Stelle so zu sagen nur eine negative
Thätigkeit ein; es ist ihm gestattet, von den Canones etwas nachzulassen
(remittere), d. i. einfach dasjenige geschehen zu lassen, was er in Anbetracht