838
T ha ncr.
Inhalt ihrer Diplome gleichsam als Titel und Inhaltsangabe
Worte voran wie: ecclesiam (monasterium) . . . apostolicae sedis
privilegio (praesentis scripti pagina) communimus; J. 5582,
5584; oder: sub apostolicae sedis tutela (et protectione) suscipimus
et praesentis scripti pagina (patrocinio) communimus.
J. 5686, 5688. Diesem Zwecke war die Verleihung von Vorrechten
untergeordnet, und drang erst allmälig in die Bullen ein. 1
apostolicae uon ideo petii, ut mihi non sufficeret quod sacri canones et
decreta sedis Romanae pontificnm cuiqne metropoli sedi concedunt“ und
hierauf: ,Sed . . his novis decretis carnales et animales homines territi
quiddam reverentius contra ecclesiam indiguitati meae commissam agerent“;
Mansi XV. 782. Nach dem heutigen Sprachgebrauelie wird sowohl mit
dem Worte .Privilegium“ als mit .Bestätigung“ ein anderer Sinn verbunden.
Namentlich waren die päpstlichen Confirmationen von Kirchen und
Klöstern keine Bestätigungen im modernen Sinne, d. h. Acte, die zum
Entstehen des betreffenden Rechtes nothwendig gewesen wären. Die
Päpste bestätigten nur, was die Kirche schon ,iuste et canoniee“ besass,
oder auf rechtmässige Art erwerben würde; sie bestätigen vielfach die
Handlungen ihrer Vorgänger und selbst ilu-e eigenen, so z. B. Calixt II.:
,Ad haec absolutionem, quae tarn a te . . . facta et a nobis, dum adhuc
in partibus ultramontanis essemus, confirmata est, praesentis qnoque decreti
pagina roboramus et ratam perpetuo manere decernimus, Bull, Rom. II.
p. 322 (J. 5081); darum ist es auch kein Widerspruch, wenn Bischof Riquin
von Toni den vom Papste Paschal II. über das Priorat Chatenay bestätigten
Vergleich seinerseits wieder bestätigt; Calmet, Hist, de Lorraine I.,
Pr. c. 538 (vergl. J. 4773). Die päpstlichen Bestätigungen sollten die
unzerstörbaren Befestigungen des Rechtes gegen das Unrecht sein. Am
deutlichsten zeigt diesen Charakter das Privileg Eugen’s III. (J. 6156,
bei Migne T. 180, Eug. III. Nr. 27): ,Confinia quoque, quae praedictus
Pallavieinus marchio cum uxore sua de terris sui iuris pro remedio animarum
suarum praefato monasterio de Columba concesserunt suis
propriis manibus posuerunt conscripta suo mnnimine roborarunt nos
quoque apostolica auctoritate roboramus, et ne quis“ etc.; und am richtigsten
ist die Bedeutung der Privilegien von Innocenz II. in der Arenga
zu J. 5702 bei Cousin, Hist, de Tomnay II., 216 ansgedrückt: ,Quoniam
in sede iustitiae residemus, fratres nostros debemus diligere et unicuique
iura sua nostrae auctoritatis privilegio conservare“.
1 Ich will hier gelegentlich auf eine Erscheinung aufmerksam machen, die
mit der allmiiligen Umgestaltung des Privilegienwesens zusammen zu
hängen scheint. In den älteren Privilegien tritt nämlich der Unterschied
zwischen der Conürmation und den darüber hinausgeheuden Bestimmungen
auch äusserlicli hervor. Erstere schliesst mit dem Decrete ab; letztere
werden diesem, beziehungsweise dem letzten Worte .profutura“ nachgesetzt,
und so zwischen Decret und Sanction eingeschaltet, sind sie deutlich als