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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 71. Band, (Jahrgang 1872)

Uel)er  die  Bruchstücke  eines  fränkischen  Gesprächbüchleins.

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Psalm.  55,  10.  wilk  Lacomblet  III.  n.  207.  257.  281.  434.  695,
ebenso  ripuariscli  (kölnisch)  wilich,  wilch:  Marienlied.  18,  4.
52,  23.  Annolied  45,  12.  Lacomblet  II.  n.  542.  III.  n.  180.  220.
21.  Die  Antwort  gibt  einiges  zu  erwägen.
Die  Handschrift  hat  E  guas  mer  ingene  Francia  . ! .  in
Francia  fui.
Grimm  deutete  gene  =  jenemo  und  übersetzte  in  jenemo
Franchono  lande,  was  die  wunderliche  Ausdrucksweise:  ich
war  in  jenem  Franken,  Baiern,  Sachsen  u.  s.  w.  als  zulässig
voraussetzt.  Ich  nehme  ingene  für  die  Präposition  ingen.  Der
Satz  lautete  genau  lateinisch  also:  fui  e  regione  Franciae  d.  i.
ich  war  Francien  grade  gegenüber,  ich  war  an  der  Grenze
Franciens.
Welches  Land  kann  im  9.  Jahrhundert  unter  Francia
verstanden  werden  ?  Zunächst  das  ganze  Frankenreich  mit  Ausschluss ­
  Italiens.  Diese  weite  Bedeutung  ist  jedoch  hier,  wo
Franken  miteinander  sprechen,  nicht  zulässig.  Es  muss  also
ein  Theil  gemeint  sein;  nach  dem  Zusammenhänge,  wonach
ein  deutscher  Franke  einen  romanischen  Franken  fragt,  woher
er  kam,  kann  das  nur  Neustrien  sein,  welches  auch  in  merwingischer
  wie  in  karlingischer  Zeit  im  besondern  unter
Francia  verstanden  ward:  Waitz  d.  Verfassungsgeschichte  II' 2 ,
112  Note.  III,  299.  Dümmler  Geschichte  des  ostfränk.  Reichs
II,  624.  Anm.  7.
Wenn  die  Zeilen  22.  23.  in  innerer  Folge  zu  jener  Frage
woher?  stünden,  so  müsste  wie  W.  Grimm  auch  annahm,  dieses
Francien  dem  deutschredenden  Landgebiete  so  nahe  sein,  dass
man  vom  Mittagessen  bis  Abend  dahin  gelangen  konnte.  Nahm
man  nun  auch  im  ganzen  Mittelalter  das  Mittagsmahl  sehr  früh
ein  (Meine  deutschen  Frauen  im  Mittelalter  S.  386),  so  liegt
doch  kein  deutscher  niederfränkischer  Theil  für  zu  Ross  oder
Fuss  Reisende  so  nahe,  dass  er  in  diesen  wenigen  Stunden  zu
erreichen  wäre.  Deshalb  verbinde  ich  22.  23  nicht  mit  21,
sondern  mit  19.
23.  Die  Handschrift  lässt  hier  das  Pronomen  ec  fort,
ebenso  32.  61.  76.  95.  105.  Da  solches  im  9.  Jahrh.  auch  sonst
noch  geschieht,  Grimm  Gram.  IV.  210—12,  so  halte  ich  die
Ergänzung  nicht  für  durchaus  nöthig.
Siizb.  der  pliil.-liist.  CI.  LXXI.  Bd.  IV.  Hft.

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