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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 71. Band, (Jahrgang 1872)

Ueber  die  Bruchstücke  eines  fränkischen  Gesprächbüchleins.

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Der  linguale  Zitterlaut  r  erscheint  nach  auch  sonst  bekannter ­
  Art  umgestellt  in  rehulga  (32  und  im  Suffix  bei  brothro
  17.  In  dem  häutigen  terue  mag  Missverständniss  einwirken.

Doppeltes  r  durch  Angleichung  aus  rn  ergibt  gerra  67,
das  sich  dem  ferro  und  sterro  bei  Tatian  und  Otfried  vergleicht,
so  wie  sterre  (steorra,  stierre)  überhaupt  die  herrschende  Form
in  den  niederdeutschen  Sprachen  ist.
Einfaches  n  für  echtes  doppeltes  steht  in  mine  106,  während ­
  nn  für  n  in  quenna  92  gesetzt  ist.
Ueber  n  für  m  vgl.  oben.  —  In  den  Flexionen  wird  n
häufig  abgestossen:  Infin.  rite  46,  serte  101.  —  schw.  Masc.
gen.  sg.  erre  19;  dat.  sg.  erro  33;  acc.  sg.  erra  80.  81,  erre
28.  —  schw.  fern.  gen.  sg.  frau  107.  Die  in  den  fränkischen
Mundarten  später  stark  entwickelte  Neigung,  auslautendes  -n
schwinden  zu  lassen,  wird  hiedurch  bezeugt.
Gaumenlaute.
Die  Reihe  ist  g  k  h  j;  auch  hier  sind  Störungen  des
reinen  niederdeutschen  Lautstandes  erfolgt.
Die  Media  g  hat  ihre  fränkische  Stelle  grösstentheils  behauptet: ­
  anlautend  gerra  67,  gistra  81,  gotto  81-  90,  got  68,
und  im  Präfix  ge,  go;  inlautend  ogen  4,  gonego  69,  rebulga  63.
Hiezu  treten  die  Worte,  in  denen  für  deutsches  g  nach
romanischer  Art  gu  geschrieben  ist:  anlautend  guan  89,  guestu
87,  gue:  vgl.  gueselle  guenoz  15.  guesatle  45.  guesenda  105.
so  wie  que  für  gue:  quesa  26.  quasa  27.  quesan  80.  quesasti
28.  —  inlautend  huegues  91,  zunguen  6.
Einmal  ist  gh  für  g  geschrieben:  ghanc  40.  Da  dieses
gh  nicht  vor  e  oder  i  steht,  wo  es  altdeutsche  Schreiber  zuweilen ­
  setzen,  sondern  vor  a,  so  sehe  ich  darin  nur  ein  anderes
Mittel  des  romanischen  Copisten,  die  reine  tönende  Explosiva
zu  bezeichnen.  Er  brauchte  gh  und  gu  nach  romanischer
Weise  gleich:  ghanc  und  guan  (89)  haben  denselben  Anlaut.
Nicht  minder  möchte  ich  C  im  Präfix  ca  co  (casa  81.  co
orest  65.  colernen  82.),  so  wie  im  Imperativ  ca  91  nicht  für
oberdeutsche  Tennis,  sondern  für  eine  andere  romanisirende
Bezeichnung  des  reinen  g  halten.
            
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