732
Phillips.
Fasst man diese Angaben der alten Schriftsteller zusammen,
so kommt man zu folgenden Resultaten :
1. Die alten Autoren glaubten, Keltiberien sich als ein
bestimmtes einzelnes Land und die Keltiberer als einen bestimmten
einzelnen Stamm des mittleren Hispanien denken zu
sollen.
2. In Beziehung auf die Grenzen, welche sie diesem
Lande, beziehungsweise diesem Stamme zuweisen, stimmen sie
nicht überein. Am engsten zieht Ptolemäus diese Grenzen,
indem er das Land auf dem rechten Ufer des Durius fast
gänzlich davon ausschliesst und den Keltiberern überhaupt nur
achtzehn Städte überweist 63 . Ueber die Ostgrenze sind diese
Autoren im Ganzen ziemlich einig; tlieils wird der Idubeda
dafür angegeben, tlieils Sagunt zwar als ausserhalb, aber nahe
an der Grenze Keltiberiens belegen, bezeichnet. Im Uebrigen
werden die Grenzen dieses Landes durch die Wohnsitze derjenigen
Stämme angedcutet, welche nicht zu den Keltiberern
gehören, namentlich im Osten die Edetaner, im Süden die Bastetaner,
im Westen die Carpetaner und Vaccäer, im Norden
die Murboger, die Autrigonen, Caristier und die Varduler, nach
Ptolemäus die Beronen, Pelendonen und Arevaker 64 .
3. Aus allem dem geht doch zur Genüge hervor, dass
die alten Autoren in Betreff des Landes Keltiberien und des
Stammes Keltiberer etwas zweifelhaft und ungewiss waren;
hierüber insbesondere verräth Strabo die zu seiner Zeit herrschende
Unsicherheit, indem er selbst gesteht, der Begriff werde
verschieden aufgefasst, was auch daraus ersichtlich wird, dass
er Cäsaraugusta zu Keltiberien rechnet 65 .
4. Insbesondere zeigt auch Plinius, dass der Name Celtiberia
noch in einem ganz anderen Sinne zu nehmen sei als
in dem eines einzelnen hispanischen Landestheiles; bei ihm
stimmt offenbar der Begriff Celtiberia mit Hispania über-63
Pt.olem., II. 5. (6.) p. 127.
64 Ptolern., 1. c. p. 125. p. 126.
65 Ueber die Bedeutung des Namens ,Keltiberer' wird in der Abhandlung
,Die Einwanderung der Kelten in die pyrenäische Halbinsel' ausführlich
gehandelt werden.