Des Beatus Rlienanus literarische Thätiglceit.
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darbieten, in ihnen steckt die reine Lesart verborgen, wie das
Gold in der Schlacke. Um wie viel kostbarer ist aber das Gold
der Autoren, als jenes allgemein so geschätzte Metall! Desshalb
sollte man doch einmal für die Manuscripte Sorge tragen. Die
Gelehrten aber mögen wissen, dass ohne Manuscripte Nichts
zu machen sei, denn die blossen Conjecturen täuschen häufig. 1
In eindringender Weise beschwört er die Studierenden, sich’s
nicht an dem faulen und schläfrigen Worte genügen zu lassen :
,Diese Stelle verbesserte Hermolaus, diese Longolius, diese
Beatus Rlienanus/ Selbst möchten sie forschen in den verschiedenen
Handschriften und ihren Augen mehr vertrauen, als
fremden. 2 Nicht irre sollen sie werden durch das Geschrei
Jener, die über die Geringfügigkeit jener Arbeit lachen, deren
Resultat die Aenderung eines Wortes sei, sondern eingedenk
sein, dass diese Arbeit nicht bloss sehr schwierig, sondern auch
sehr nothwendig sei. 3 Rhenanus kann dabei nicht umhin, nach
einigen Seiten hin, Hiebe auszutheilen. Namentlich den gewöhnlichen
Philologen ist er nicht hold, jenen ,Professoren, die auch
über die gröbsten Fehler in deu Autoren nicht stutzig werden,
wenn sie aber dieselben bemerken, sie gewiss verheimlichen', 1
oder Jene, die ihren Schülern beim Interpretiren die gröbsten
Lügen vorplaudern. Ein so kritischer Geist, wie Rhenanus, ist
denn auch seinen Vorgängern gegenüber nicht blind, Hermolaus
Barbarus, so sehr er ihn verehrt, Budäus (S. 91. 102),
wie Longolius (S. 92) werden trotz der wärmsten und
begeistertsten Lobsprüche doch scharf controllirt und oft
corrigirt, der Letzte namentlich wegen seines Absehens von
den Handschriften. — Auch sonst verschliesst Rhenanus seinen
Blick nicht, er tadelt die Gleichgültigkeit so vieler deutschen
Fürsten gegen die schönen Studien, und deckt bei aller Hochachtung
der italienischen Meister die Thatsache auf, dass auch
bei ihrem Volke Unwissenheit und Barbarei in früheren Jahrhunderten
geherrscht. 5 Dasselbe freie Urtheil arbeitet nun
überall bei seiner Texteskritik. Freilich seine Emendationen
1 cf. S. 34.
2 cf. p. 46.
3 cf. p. 65.
4 cf. 77 und 90.
5 73.
Sitzb. d. pbil.-liist. CI. LXXI. Bd. IV. Hft.
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