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Horawitz.
stellt er die Forderung die Conjecturen ad marginem zu setzen
oder doch abgetrennt vom Texte anzugeben, damit in den Text
nichts Fremdes, nichts Ungehöriges hineinkomme. Ueberhaupt
verlangt er von dem Textverbesserer und Texthersteller Ruhe,
Vorsicht und eine pietätvolle Achtung vor dem Vorhandenen.
Er ist auch hier im besten Sinne conservativ. Entschieden
abhold zeigt er sich dem ingeniösen Erfinden von Conjecturen,
der Auffassung, die mehr bestrebt ist, den Sinn zu errathen,
als die echten Worte zu finden und aus dem Schutte der Entstellungen
herauszugraben. Man sieht, das in der Luft hängende
— aprioristische Construiren würden wir sagen — ,Diviniren‘
ist ihm in der Seele verhasst; 1 die alte Handschrift mit ihren
Lücken, Fehlern, Flecken, sie ist ihm das sicherste Mittel, zum
wahren echten Texte zu gelangen. Er äussert sich in den
bündigsten Ausdrücken über seinen Weg zur Wahrheit. Der
Sinn scheint ihm nicht hergestellt, wenn man nicht früher die
Worte genau ermittelt. Desshalb kann er sich mit dem Verfahren
des so warm verehrten Hermolaus, der aus Aristoteles,
Aelian, Theophrast und anderen Autoren den Sinn zu restituiren
unternahm, durchaus nicht einverstanden erklären. ,Die nackte
einfache Emendation — vorausgesetzt, dass sie glücklich ist,
nützt viel mehr, als eine ausführliche Abhandlung, die auf zahllose
Zeugnisse gestützt, die Sache wenig berührt/ Das ist meine
Magie ! ruft er aus und wir ergänzen : diese Magie war nichts
als der Fleiss, die Vorsicht und die unbeirrbare Gewissenhaftigkeit
des Mannes. Wol — mit Recht konnte er es sagen :
,Wenn ich mehr meinem Ruhme, als dem allgemeinen Wolde,
dienen wollte, wenn ich die Sache mit Worten herausputzen
wollte, wer sieht nicht ein, wie viel Stoff in diesen ,Castigationes‘
liegt/ Mit berechtigtem Stolz verweilt er dann auf dem bisher
von ihm Geleisteten. 2 Denn seine Restitutionen beruhen nicht
auf zufälligen aus der Luft gegriffenen Gedanken, sondern auf
dem gründlichen Studium der Handschriften. Die verdorbenen
Lesarten müssen für die Auffindung der Richtigen den Fingerzeig
1 Non satis est sagt, er z B. (S. 78), autem Plinii aut alterius cuiuscunque
autoris sensum alicunde halraisse, nisi ipsa elementa ueterum codicum,
apicesque ipsos et liorura singulos propemodum duetus diligentissime
etiam atque etiam inspicias. (S. 78.)
2 cf. S. 26. 33.