Skip to main content Jump to sidebar

Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 71. Band, (Jahrgang 1872)

Des  Beatus  Rlienanus  literarische  Thätigkeit.

685

Ungeheuern  (portentis)  herumschlägen,  aber  allen  Eckel  und
alle  Mühe  bei  dieser  Arbeit  überwand  der.  Hinblick  auf  den
grossen  Nutzen,  den  diese  für  die  Schüler  und  Freunde  der
Wissenschaft  haben  müsste.  Und  Rhenanus  begnügte  sich  nicht
damit,  eine  andere  Lesart  aufzustellen,  sondern  er  bemühte  sich
auch  die  Gründe  anzugeben,  warum  er  glaube,  gerade  so  lesen
zu  müssen.  Er  thut  dies  beileibe  nicht  (me  hercle)  wegen
jener  Händelsüchtigen,  die  dem  Castigator  keinen  Glauben
schenken,  sondern  der  Lernbegierigen  halber,  denen  er
den  Weg  zur  Emendation  der  bewährtesten  Autoren  nicht
verbergen  wolle.  ,Ihn  kennen  gelernt  zu  haben  wird  Jenen
vielleicht  nützen,  die  mit  der  Reinigung  des  Pliniustextes  gegenwärtig ­
  in  Italien  und  Deutschland  beschäftigt  sein  sollen,  denen
ich  gerne  die  Kunst  gezeigt  haben  würde,  durch  die  sie  meiner
Arbeit  nicht  bloss  gleichkommen,  sondern  sie  auch  weitaus
übertreffen,  durch  die  sie  mich  dort,  wo  ich  gefehlt,  mahnen
lind  ausbessern  können.  Denn  dies  möchte  ich  zu  versprechen
wagen,  wenn  die  Gelehrten  jenen  Weg,  den  Schriftwerken  der
Alten  zu  helfen,  betreten  wollen,  den  ich  gezeigt,  so  werden
sie  nicht  bloss  den  Plinius  völlig  gereinigt  besitzen,  sondern
auch  andere  Autoren/  Denn  einen  Autor,  welcher  der  Emendation ­
  gar  nicht  bedürfte,  giebt  es  nicht.  Scharf  geht  er  sodann
auf  die  missglückten  Emendationsversuche  über,  welche  Interpreten ­
  und  Professoren  im  völligen  Unverständniss  dieses  Autors
gemacht.  1  Mit  überlegener  Heiterkeit  lächelt  er  über  den  köstlichen ­
  Anblick,  den  zwei  solcher  Interpreten  gewähren,  die
sich  ingrimmig  mit  Schmähungen  zerfleischen,  während  doch
Jeder  von  Beiden  irrt  und  keiner  den  rechten  Sinn  des
Plinius  erfasst  hat.  Bei  so  verderbten  Handschriften  richtet
man  die  Sache  nicht  bloss  mit  Conjecturen,  dies  führt  allemal
zur  Unsicherheit.  Daher  wird  der  Bearbeiter  der  Lobenswerteste ­
  sein,  der  seine  Gedanken  öffentlich  äussert,  besonders
dann  wird  er  unsere  Gunst  verdienen,  wenn  er  frei  von  Hartnäckigkeit ­
  im  Behaupten  ist  und  sich  vom  Schimpfen  fernhält.
Das  ist  der  einzige  und  beste  Weg  zur  Herstellung  der

1  Doch  stets  versöhnlich  fügt  er  die  Worte  hinzu:  De  qua  tarnen  re  non
admodum  rairor,  cum  impossibile  sit,  e  corrupta  lectione  diuinare,  quidnam
significare  uelit.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.