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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 71. Band, (Jahrgang 1872)

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H  o  r  a  w  i  t  z.

Plinius  das  einer  Bibliothek  gleicht,  rein  und  unversehrt  zur
Nachwelt  gelange.  Mit  Anerkennung  gedenkt  er  sodann  der
Gelehrten,  die  sich  um  die  Emendation  des  Plinius  ein  Verdienst
erworben,  vor  Allem  des  Hermolaus  Barbarus,  1  der  dem
Hercules  ähnlich 2 ,  als  der  Erste  gewagt  mit  den  Ungeheuern
im  Plinius  den  Kampf  zu  beginnen.  Auch  war  seine  Bemühung
nicht  ohne  Erfolg.  An  zahlreichen  Orten  wurde  der  edle
Schriftsteller  durch  ihn  wieder  hergestellt,  der  früher  vielfach
unverständlich  und  desslialb  verachtet  und  vernachlässiget
wurde.  Dieser  Erfolg  regte  auch  andere  Gelehrte  zur  Säuberung
des  Pliniustextes  an,  freilich  taugten  ihre,Castigationes'mit  denen
des  Hermolaus  verglichen  beinahe  nichts.  Neben  ihm  lobt  er
noch  den  Wilhelm  Budaeus  der  Grosses  geleistet,  weil  er
nichts  ohne  alte  Handschriften  arbeitet;  diese  durchforscht  und
vergleicht  er.  Das  ist  auch  dem  Rhenanus  die  rechte  Methode.
Er  kommt  nun  in  sein  eigentliches  Fahrwasser  und  fährt  eifrig
fort:  Und  wahrhaftig  so  ist  es;  auf  die  alten  Handschriften
muss  der  zurückgehen,  der  sich  in  der  Wiederherstellung  der
Schriftsteller  Lob  verdienen  will.  Denn  dies  ist  der  sicherste
Weg  zur  Ausforschung  der  reinen  Lesart  aus  den  Flecken
(mendis)  und  Ueberbleibseln  der  alten  Exemplare  die  echte
Schreibung  herauszufinden,  d.  i.  aurum  e  stercore  colligere.
Die  Conjecturen,  die  aus  dem  Verstände  geschöpft  sind,  erweisen ­
  sich  meist  eher  als  trügerisch,  denn  die  den  Spuren
der  Handschrift  entnommenen.  Auch  Hermolaus  Barbarus
täuschte  sich  in  dieser  Hinsicht  oft,  da  er  mehr  besorgt  war,
verderbte  Stellen  mit  Angaben  beim  Aristoteles  zu  vergleichen,
als  mit  den  Manuscripten.  ,Ich  erdichte  nichts,  berühmtester
Johannes!  Das,  was  ich  sage,  hat  mich  die  Schule  der  Vergleichung ­
  (collationis  experientia)  gelehrt.'  Eine  schwere  Arbeit ­
  war  es,  die  er  unternommen,  auch  er  musste  sich  mit

1  Er  nennt  ihn:  uir  tum  Utens,  tum  honestate  uitae,  dum  in  humanis
ageret,  prorsus  incomparabilis.  Auch  Sillig  Plinii  Secundi  Naturalis
liistoria  1851  lobt  ihn  (Prüf.  XXIII.)  sehr.
2  Dieser  Vergleich  begegnet  uns  später  noch  S.  23.  Vgl.  auch  über  Hermolaus ­
  Barbarus  die  genaue  Ausführung  S.  22.
3  Qui  uir  aetatem  nostram  unice  exornat,  magnum  ubique  decus  Galliae
suae  concilians,  sagt  Ehenanus  von  ihm.  Er  meint  offenbar  dessen  Werk
,de  asse.‘  Venedig  1522.  Khenanus  selbst  spricht  ja  S.  101  von  diesem
            
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