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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 71. Band, (Jahrgang 1872)

Des  Beatus  Rlienänus  literariselie  Thätigkeit.

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Die  Yellejus-Edition.
Am  kürzesten  kann  ich  mich  bei  Vellejus  fassen,  da
über  ihn  vorzügliche  Erläuterungsschriften  vorliegen  1  und  über
die  Textgeschickte  —  wie  selten  irgendwo  —  Klarheit  verbreitet ­
  ist.  Es  steht  fest,  dass  Rhenanus  nicht  bloss  der  erste
Herausgeber  sondern  auch  der  Entdecker  dieses  werthvollen
Schriftstellers  ist.  Er  fand  den  argzerrissenen,  manken  Codex
um  1515  im  Kloster  Murbach  (in  einem  Thale  der  Vogesen  in
Obereisass)  und  liess  ihn  durch  einen  Freund  abschreiben.
Um  1516  durfte  Bonifaz  Amerbach  im  Zimmer  des  Rhenanus
sich  von  dieser  Abschrift  eine  Copie  fertigen,  befreundete  Gelehrte, ­
  wie  Spalatinus  erfuhren  von  der  beglückenden  Auffindung ­
  der  Geschichte  des  Vellejus,  der  Letztere  bat  um  eine
Abschrift  davon  für  seines  Churfürsten  Bibliothek.  Doch  trotz
des  allgemeinen  Interesses  konnte  sich  Rhenanus  zur  Herausgabe ­
  nicht  entschliessen,  zu  desperat  erschien  ihm  der  Zustand
seines  Codex.  Fehlte  es  ja  hier  an  Anfang  und  Ende,  aber
durchaus  nicht  an  den  sinnlosesten,  geradezu  ,perplexen'  Lesarten. ­
  Rhenanus  hatte  desslialb  den  Plan  auf  einen  besseren
Codex  zu  warten,  als  er  hörte,  dass  Georg  Merula  einen  solchen
zu  Mailand  gefunden,  wollte  er  sogar  nach  Italien  reisen,  doch
kam  es  nicht  dazu.  Dem  Drängen  der  Wissbegierigen  nachgebend ­
  —  und  da  auch  Merula  den  Vellejus  nicht  edirte,  entschloss ­
  sich  Rhenanus  denn  doch  zur  Herausgabe  der  Murbacher ­
  Abschrift.  Was  den  Murbacher  Codex  betrifft,  so  mag
hier  bemerkt  sein,  dass  er  in  Minuskel  geschrieben  und  keinesfalls ­
  jünger,  als  das  zehnte  Jahrhundert  war.  ,Der  Text  aber
ist  durch  die  Hände  eines  Schreibers  gegangen,  der  nicht  nur
höchst  nachlässig  war,  sondern  stumpf  an  Geist  und  mit  Unsinn ­
  zufrieden.'  ,Diese  Verwilderung' 2  war  denn  auch  ,mit
leiser  Hand  fciclit  zu  zähmen  und  vielen  der  einleuchtendsten

1  Vor  Allem  Fechter  die  Amerbach’sche  Abschrift  des  Vellejus  Paterculus
und  ihr  Verhältniss  zum  Murbacher  Codex  und  zur  Editio  princeps
t  Basel  1844.
2  Vgl.  den  Brief  des  Rhenanus  bei  Hechel  Manipulus,  der  übrigens  unrichtig ­
  datirt  ist.  Statt  pridie  diui  Gregorii  1520  muss  es  heissen  1521  cf.
Fechter  1.  c.  42  f.
43*
            
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