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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 71. Band, (Jahrgang 1872)

Des  Beatus  Rhenanus  literarische  Thätigkeit.

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der  Einfachheit  der  Urkirche  zurück.  Um  wie  viel  leichter,
ruft  er  aus,  war  einst  das  Christenthum,  als  jetzt,  noch  gab  es
nicht  so  viele  Gesetze,  die  jetzt  kein  Ende  nehmen.  Damals
waren  wenige  und  kurze  Regeln,  nun  sind  ihrer  viele  und  gar
dunkle.  Und  spricht  in  Rhenanus  nicht  ganz  und  gar  der
Humanist  und  Reformfreund,  wenn  er  in  der  Klage  fortfährt:
Wenn  Jemand  die  Dogmen  der  scholastischen  Theologie
zählen  wollte,  welche  seit  dreihundert  Jahren  meist  mit  den
Bettelmönchen  in  -die  Welt  gekommen  sind,  und  die  so  fruchtbar
sind,  dass  sie  sich  noch  täglich  vermehren,  wenn  diese  Jemand
zählen  wollte,  er  würde  —  wie  man  sagt  —  die  Wellen  zählen
oder  den  Sand  messen.  Und  diese  Dogmen  sehen  wir  heutzutage ­
  durch  Strafandrohungen  der  Fürsten  vertheidigt,
  auf  Antreiben  Jener,  die  ihrem  Verstände
misstrauen.
Von  S.  593—615  folgen  sodann  die  obenerwähnten  Deiinitiones,
  die  Lukas  Bathodius  1  aus  einem  alten  Strassburger ­
  Codex  für  Rhenanus  abgeschrieben.  2  Nach  sorgfältiger
Prüfung  kommt  der  Letztere  zu  dem  Ergebnisse,  dass  diese
Definitiones  zu  verschiedenen  Zeiten  verfasst  und  hernach  von
sehr  Vielen  compilirt  worden  seien.  —
So  waren  dann  in  der  Ausgabe  des  Rhenanus  —  die
übrigens  ihrer  Noten  wegen  auf  den  päbstlichen  Index  gesetzt
ward  —  die  inhaltsreichen  und  beredten  Schriften  Tertullians
zum  ersten  Male  dem  deutschen  3  Publikum  zugänglich  gemacht
worden.  Freilich  fehlen  in  der  Ausgabe  einige  —  und  darunter
recht  bedeutende  —  Schriften  Tertullians.  Nicht  bloss  das  Buch
ad  nationes,  dessen  Echtheit  u.  a.  Seniler  bestritt,  sondern  auch
die  Bücher  de  testimonio  animae,  de  baptismo,  de  anima,
Scorpiace,  de  oratione,  de  spectaculis,  de  idololatria,  de  pudicitia,
1  Non  minus  bomirum  literarum  Studio,  quam  inculpatis  moribus  spectabilis,
sagt  Khenanus  über  ihn.  (S.  589.)
2  ltbenanus  bemerkt  darüber  S.  590  :  Exemplar  uetustum  extat  Strazburgi
in  bibliotheca  majoris  templi:  qui  uolet,  inspiciat,  si  mihi  forte  diffidit
Proinde  quoties  dubitatum  fuerit,  exemplaria  uetusta  consuli  debent,  quae
expedit  in  bibliothecis  asseruari  propter  falsarios  coarg
  u  e  n  d  o  s.
3  Oehlers  (Tertulliani  Opera  Hnllae  1849)  macht  die  Bemerkung:  prima
editio,  cujus  textus  ab  antiquiore  Aldinae  non  discrepat.
            
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