Des Beatus Rhenanus literarische Thätigkeit.
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der Einfachheit der Urkirche zurück. Um wie viel leichter,
ruft er aus, war einst das Christenthum, als jetzt, noch gab es
nicht so viele Gesetze, die jetzt kein Ende nehmen. Damals
waren wenige und kurze Regeln, nun sind ihrer viele und gar
dunkle. Und spricht in Rhenanus nicht ganz und gar der
Humanist und Reformfreund, wenn er in der Klage fortfährt:
Wenn Jemand die Dogmen der scholastischen Theologie
zählen wollte, welche seit dreihundert Jahren meist mit den
Bettelmönchen in -die Welt gekommen sind, und die so fruchtbar
sind, dass sie sich noch täglich vermehren, wenn diese Jemand
zählen wollte, er würde — wie man sagt — die Wellen zählen
oder den Sand messen. Und diese Dogmen sehen wir heutzutage
durch Strafandrohungen der Fürsten vertheidigt,
auf Antreiben Jener, die ihrem Verstände
misstrauen.
Von S. 593—615 folgen sodann die obenerwähnten Deiinitiones,
die Lukas Bathodius 1 aus einem alten Strassburger
Codex für Rhenanus abgeschrieben. 2 Nach sorgfältiger
Prüfung kommt der Letztere zu dem Ergebnisse, dass diese
Definitiones zu verschiedenen Zeiten verfasst und hernach von
sehr Vielen compilirt worden seien. —
So waren dann in der Ausgabe des Rhenanus — die
übrigens ihrer Noten wegen auf den päbstlichen Index gesetzt
ward — die inhaltsreichen und beredten Schriften Tertullians
zum ersten Male dem deutschen 3 Publikum zugänglich gemacht
worden. Freilich fehlen in der Ausgabe einige — und darunter
recht bedeutende — Schriften Tertullians. Nicht bloss das Buch
ad nationes, dessen Echtheit u. a. Seniler bestritt, sondern auch
die Bücher de testimonio animae, de baptismo, de anima,
Scorpiace, de oratione, de spectaculis, de idololatria, de pudicitia,
1 Non minus bomirum literarum Studio, quam inculpatis moribus spectabilis,
sagt Khenanus über ihn. (S. 589.)
2 ltbenanus bemerkt darüber S. 590 : Exemplar uetustum extat Strazburgi
in bibliotheca majoris templi: qui uolet, inspiciat, si mihi forte diffidit
Proinde quoties dubitatum fuerit, exemplaria uetusta consuli debent, quae
expedit in bibliothecis asseruari propter falsarios coarg
u e n d o s.
3 Oehlers (Tertulliani Opera Hnllae 1849) macht die Bemerkung: prima
editio, cujus textus ab antiquiore Aldinae non discrepat.