Skip to main content Jump to sidebar

Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 71. Band, (Jahrgang 1872)

670

Hora  w-itz.

Die  Corruption  einer  Stelle  im  Buche  ad  Scapulam  veranlasst ­
  Rhenanus  wieder  über  den  Mangel  der  Codices  von
Fulda,  Gorze  und  Rom  Klage  zu  führen.  Bei  dieser  überhasteten ­
  Ausgabe  habe  er  dem  Leser  seine  Einfalle  (quod  mihi
in  meutern  uenit)  nicht  verhehlen  wollen,  wenn  sie  ihm  auch
nicht  genügten.  1  Ein  anderes  Bedenken  drückt  ihn  im  Argumente ­
  des  Buches  de  monogamia  (S.  507),  das  Buch  —  er
kann  es  nicht  läugnen  —  ist  ketzerisch,  auch  Hieronymus  hat
es  ein  gegen  die  Kirche  geschriebenes  genannt.  Das  muss  er  —
und  dies  zeigt  seinen  kirchlichen  Sinn  —  seinen  Lesern  gleich
hier  sagen,  damit  sie  wie  durch  ein  Gegengift  geschützt,  ohne
Schädigung  der  besseren  Ansicht  durch  dieses  Werk  hindurchkämen. ­
  Auffallend  ist  es,  dass  er  sich  über  den  Apologeticus,
gewiss  eine  der  gehaltvollsten  und  vorzüglichsten  Schriften
Tertullians 2 ,  in  der  auch  an  Notizen  über  die  Einrichtungen
der  ältesten  christlichen  Kirche  kein  Mangel  ist,  im  Argumente
so  kurz  fasst.  —
Ein  ganz  eigenthümliches  Nachwort  schliesst  die  Ausgabe
der  Werke  Tertullian’s,  ein  Nachwort,  das  beinahe  hybrid
erscheint.  Denn  wenn  es  damit  beginnt,  ganz  kirchlich  den
Lesern  des  nun  abgeschlossenen  Werkes  in  einer  Beigabe  von
Definitionen  der  Glaubenssätze  ein  Gegengift  gegen  die  Irrthümer
  des  Tertullian  zu  geben,  so  ist  der  Schluss  direkt  gegen
die  übermässige  Entwickelung  der  Dogmatik  in  der  gegenwärtigen ­
  Kirche  gerichtet.  Er  sehnt  sich  ganz  rückhaltslos  nach

1  Es  fehlt  hier  nicht  an  Aeusserungeu,  die  für  die  Art,  wie  Ehenanus
notirtc,  recht  bezeichnend  sind,  z.  B.  S.  497:  Possem  uariam
lectionem  ostendere,  nisi  scirem  huiusmodi  coniectura.s
magis  inuoluere  lectorem  quam  expedire.  Reliquimus  autem
uerba  Graecanica  quemadmodu  reperimus  in  exemplari,  ut  hic  etiam
alij  se  exerceant.  Oder  wenn  er  im  Argum.  z.  B.  de  pallio  S.  528
sagt:  Hic  über  tarn  est  corruptus,  ut  nulla  propemodum  sententia  citra
offensam  legi  queat.  Nec  quisquam  credet  hic  aliquid  a  nobis  restitutum,
nisi  qui  Hirsaugiensem  codicem  inspexerit.  Ineptum  autem
censuimtis,  marginem  chartarum  coniecturis  opplere,  in
quibus  plerunque  nihil  est  certitudinis,  Consulantur  antiqua
exemplaria,  quae  scimus  extare  Eomae,  Fuldae  et  Gorziae,  prope
Metensem  urbem.  Maluissem  illorum  sequi  Consilium,  qui  suam  lectionem
seorsim  annotant.,  sed  non  uacabat.
2  Möhler  Patrologie  I.  706.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.