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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 71. Band, (Jahrgang 1872)

Des  Beatus  Rhenanus  literarische  Tliätigkeit.

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Wolgefallen  bei  der  Betrachtung  der  alten  einfachen  Gebräuche
,utinam  redeat‘  ruft  er  einmal  aus,  ,ad  nos  ista  consuetudo
CHRISTI  praecepta  frequenter  mentibus  hominum  inculcandi  b
Es  scheint  ihm  auch  an  der  Zeit,  sich  um  die  Vergangenheit
des  Christenthums  einmal  ernstlich  zu  bekümmern,  nachdem  so
Viele  die  heidnische  Geschichte  Ins  in’s  Kleinste  (ad  unguem)
durchstöbern  und  so  davon  eingenommen  sind,  dass  sie  im
Leben  kaum  einmal  an  Christus  denken  können.  Wiederum
also  im  Gegensätze  gegen  die  unchristlichen  Verehrer  des
Heidenthums  unter  den  Gelehrten!  Ja,  wo  man  es  nicht  suchen
möchte,  mitten  unter  philologischen  Conjecturen,  fehlt  es  nicht
an  Hinblicken  auf  die  Zeit  und  ihre  Schattenseiten.  Tertullian,
meint  Rhenanus,  habe  es  wohl  niemals  geglaubt,  dass  Christen
mit  Waffen  sich  bekämpfen  würden.  Aber  zu  diesem  Wahnsinn
sind  wir  gekommen.  Heutzutage  kämpfen  nicht  blos  die  Weltlichen ­
  mit  einander,  sondern  auch  die  Geistlichen,  die  Christus
und  seine  Apostel  uns  vorstellen  sollen.  —  Das  Argument  zum
Buche  ad  Martyras  ist  kurz  und  ganz  sachlich  gehalten,  1  in
gelehrte  Excurse  lässt  sich  Rhenanus  dagegen  in  der  Einleitung
zum  berühmten  Buche  Tertullians  zum  Liber  de  poenitentia
ein.  Auch  hier  zeigt  er  wieder  eine  grosse  Belesenheit  und
stattliche  Quellenkenntniss,  auch  hier  sucht  er  die  Gelehrten
auf  vergessene  Bücher  aufmerksam  zu  machen  und  zur  Erforschung ­
  der  christlichen  Alterthümer  anzuregen.  2
1  Fremde  Ausdrücke  erklärt  Rhenanus  in  einem  Anhänge  zum  Argumente
S.  427.  z.  B.  Agonothetes  est  is,  qui  certamen  instruit  praemiis
propositis.  Latini  Munerariu  appellant,  oder  Xystarches,  Epistates,
Scannna  u.  s.  w.
2  S.  433.  Poenitentiariü  Theodori  imitati  sunt  Betanus  presbyter,  Rabanus
et  alii  ueteres,  quorum  lucubrationes  in  simili  argumento  passim  extant
in  antiquis  bibliothecis  :  no  penitus  indignae  quae  legantur  ab  iis  praesertim
qui  sunt  curiosi  Christianae  uetustatis  indagatores.  Zahlreich  sind  die
Autoren,  auf  die  er  sich  beruft,  z.  B.  Theodor  Erzbischof  von  Cambridge,
Theodulf  von  Orleans,  Beda,  wie  Basilius,  Hieronymus,  Isidor,  Pabst  Leo,
Thomas  von  Aquin,  Scotus  und  —  Johannes  Geiler  grauis  ac  sanc.tus
Theologus.  Auch  an  einem  anderem  Orte  (Argument  zum  Buche  aduersus
Marcionem  1.  III.  S.  193)  als  er  von  den  sog.  Milliariern  spricht,  weiss
•  er  genau,  wer  von  bedeutenden  Schriftstellern  dazu  gehört  nemlich:
Lactantius,  Victorinus,  Seuerus,  Irenaus  und  Apollinaris.  Ich  bemerke
hiebei  noch,  dass  er  den  oft  citirten  Cyprian  (p.  458  Argum.  zum  über
de  habitu  muliebri)  imitator  Tertulliani  nennt.

.
            
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