Des Beatus Rlienanns literarische Thätigkeit.
665
thum nicht allein in Worten, sondern auch in Werken zum
Ausdrucke zu bringen. Wenn er noch die Bedeutung des
Apologeticus erwägt, so meint er wohl sagen zu dürfen, die
Publication solcher Werke sei der Mittheilung eines Schatzes
vergleichbar. Auch jene Stellen, welche man für ketzerisch
erklärt hat, ändern an diesem Ausspruche nichts, es sei thöricht,
den Autor desshalb unterdrücken zu wollen, denn welches
Verderben des christlichen Sinnes drohe doch von gewissen
obscönen Büchern der Heiden und man lese sie dennoch. —
Uebrigens hat Bhenanus für die Orthodoxie seiner Leser ängstlich
gesorgt; Argumente und Noten, ja eigene Definitionen von
Dogmen sollen ihnen stets Vorhalten, was von den strenggläubigen
Kirchenvätern auf den verschiedenen Synoden beschlossen
worden sei. Sogleich fügt er aber zur Empfehlung Tertullian’s
die Angabe bei, dass ihn Cyprian seinen Lehrer genannt habe
und keinen Tag verstreichen liess, an dem er nicht in seinen
Werken gelesen. — Zum Schlüsse der Vorrede beklagt es
Bhenanus noch bitter, dass ihm ein so verdorbener Text Vorgelegen
und dass er die Handschriften, die sich zu Gorze,
Fulda und Rom befänden, nicht habe einsehen können; vielleicht
aber meint er, wären auch diese nicht fehlerfreier, als
die zwei von ihm Benutzten, die aus verschiedenen Bibliotheken
genommen und in verschiedener Zeit geschrieben, doch beharrlich
mit einander übereinstimmten. Die Schuld des Verderbens
der Handschriften führt er auf die lange Vergessenheit Tertullians
und dessen ,afrikanischen und affectirten DialecP
zurück und bittet schliesslich seinen Gönner Stanislaus Turzo 1
den gleichsam aus der Unterwelt an’s Licht emporgegangenen
Tertullian zu lesen und zu protegiren.
Eine kurze Biographie des Tertullian sehliesst sich an
diese Dedicationsepistel an, meist dem Catalogus Scriptorum
ecclesiasticorum des Hieronymus entnommen; ausser den be-1
Die Dedicationsepistel ist datirt: Basileae «Calendis Juliis MDXXI. und
enthält die reichlichsten Lobspriiche auf den Olmiitzer Bischof. Nicht
bloss Mähren, sondern ganz Germanien, sagt Bhenanus, bewundern ihn,
Ursinus Velius, U. v. Hutten, Joachim Vadianus, Janus Dubrauius stehen
in engster Verbindung mit ihm, der König Ludwig von Ungarn begehrt
in wichtigen Fällen seinen Rath und beruft ihn zu sich. In seinem Verhältnisse
zu den Gelehrten erscheint er dem Bhenanus als ein Mäcenas.