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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 71. Band, (Jahrgang 1872)

Des  Beatus  Rlienanns  literarische  Thätigkeit.

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thum  nicht  allein  in  Worten,  sondern  auch  in  Werken  zum
Ausdrucke  zu  bringen.  Wenn  er  noch  die  Bedeutung  des
Apologeticus  erwägt,  so  meint  er  wohl  sagen  zu  dürfen,  die
Publication  solcher  Werke  sei  der  Mittheilung  eines  Schatzes
vergleichbar.  Auch  jene  Stellen,  welche  man  für  ketzerisch
erklärt  hat,  ändern  an  diesem  Ausspruche  nichts,  es  sei  thöricht,
den  Autor  desshalb  unterdrücken  zu  wollen,  denn  welches
Verderben  des  christlichen  Sinnes  drohe  doch  von  gewissen
obscönen  Büchern  der  Heiden  und  man  lese  sie  dennoch.  —
Uebrigens  hat  Bhenanus  für  die  Orthodoxie  seiner  Leser  ängstlich ­
  gesorgt;  Argumente  und  Noten,  ja  eigene  Definitionen  von
Dogmen  sollen  ihnen  stets  Vorhalten,  was  von  den  strenggläubigen
Kirchenvätern  auf  den  verschiedenen  Synoden  beschlossen
worden  sei.  Sogleich  fügt  er  aber  zur  Empfehlung  Tertullian’s
die  Angabe  bei,  dass  ihn  Cyprian  seinen  Lehrer  genannt  habe
und  keinen  Tag  verstreichen  liess,  an  dem  er  nicht  in  seinen
Werken  gelesen.  —  Zum  Schlüsse  der  Vorrede  beklagt  es
Bhenanus  noch  bitter,  dass  ihm  ein  so  verdorbener  Text  Vorgelegen ­
  und  dass  er  die  Handschriften,  die  sich  zu  Gorze,
Fulda  und  Rom  befänden,  nicht  habe  einsehen  können;  vielleicht ­
  aber  meint  er,  wären  auch  diese  nicht  fehlerfreier,  als
die  zwei  von  ihm  Benutzten,  die  aus  verschiedenen  Bibliotheken
genommen  und  in  verschiedener  Zeit  geschrieben,  doch  beharrlich ­
  mit  einander  übereinstimmten.  Die  Schuld  des  Verderbens
der  Handschriften  führt  er  auf  die  lange  Vergessenheit  Tertullians
  und  dessen  ,afrikanischen  und  affectirten  DialecP
zurück  und  bittet  schliesslich  seinen  Gönner  Stanislaus  Turzo  1
den  gleichsam  aus  der  Unterwelt  an’s  Licht  emporgegangenen
Tertullian  zu  lesen  und  zu  protegiren.
Eine  kurze  Biographie  des  Tertullian  sehliesst  sich  an
diese  Dedicationsepistel  an,  meist  dem  Catalogus  Scriptorum
ecclesiasticorum  des  Hieronymus  entnommen;  ausser  den  be-1

  Die  Dedicationsepistel  ist  datirt:  Basileae  «Calendis  Juliis  MDXXI.  und
enthält  die  reichlichsten  Lobspriiche  auf  den  Olmiitzer  Bischof.  Nicht
bloss  Mähren,  sondern  ganz  Germanien,  sagt  Bhenanus,  bewundern  ihn,
Ursinus  Velius,  U.  v.  Hutten,  Joachim  Vadianus,  Janus  Dubrauius  stehen
in  engster  Verbindung  mit  ihm,  der  König  Ludwig  von  Ungarn  begehrt
in  wichtigen  Fällen  seinen  Rath  und  beruft  ihn  zu  sich.  In  seinem  Verhältnisse ­
  zu  den  Gelehrten  erscheint  er  dem  Bhenanus  als  ein  Mäcenas.
            
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