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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 71. Band, (Jahrgang 1872)

Des  Beatus  Rhenanus  literarische  Thätigkeit.

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Setzung  aus  dem  Griechischen  in’s  Latein,  der  Andere  durch
Ausbesserung  des  ungelehrt  und  unrichtig  Uebersetzten,  (alius
indocte  et  perperam  uersa  castigat  aut  elimat)  oder  durch
Wiederherstellung  verdorbener  und  Erklärung  dunkler  Texte
—  in  einem  solchen  Zeitalter  will  auch  er  nicht  ganz  ohne
Beitrag  (prorsus  .  .  assymbolus)  bleiben.  Er  hielt  es  desshalb
für  der  Mühe  werth,  die  Arbeiten  des  Tertullian  herauszugeben,
die  Arbeiten  jenes  nicht  bloss  alten,  sondern  auch  ausgezeichneten ­
  Schriftstellers,  den  die  Forscher  schon  seit  so  vielen
Jahrhunderten  entbehrten.  Der  Zufall  führte  ihn  zur  Entdeckung
der  Handschrift.  Als  er  nemlich  (um  1520)  den  von  einem
Besuche  der  Schlettstädtersodalität  heimkehrenden  Zasius  (illum
ciuilis  prudentiae  et  optimarum  literarum  antistitem)  nach  Colmar
begleitete  und  daselbst  den  dortigen  Dechant  Jakob  Zimmermann ­
  ,  einen  grossen  Gönner  der  schönen  Studien  besuchte,
fand  er  in  dessen  reicher  Bibliothek  eine  alte  Handschrift,  die
Werke  des  Tertullian  enthielt.  Diese  Handschrift  hatte  Zimmermann ­
  eben  aus  dem  Kloster  Peterlingen  mitgebracht  und  iiberliess
  sie  nach  der  Sitte  der  Zeit  bereitwilligst  dem  Rhenanus,
da  er  dessen  lebhaftes  Interesse  an  der  Handschrift  sah.  Bald
darauf  erhielt  Rhenanus  durch  die  Vermittlung  von  Thomas  Rapp
und  Nicolaus  Basellius  von  dem  Abte  von  Hirschau  die  daselbst
befindlichen  Werke  des  Tertullian  zu  leihweiser  Benützung,
eine  Gefälligkeit,  die  ihn  mit  der  lebhaftesten  Freude  erfüllte,
(quos  .  .  accepi  non  minori  gaudio,  quam  si  gemmas  mihi
misisset.  Clamabam  statim  o>  ty;c  eiSai^ovia?  felicem  me  putans,
cui  tantus  thesaurus  obtigisset.)  Da  nun  gerade  Froben’s  Pressen
stille  standen,  so  liess  Rhenanus  sogleich  den  Druck  des  Tertullian ­
  beginnen,  da  er  bei  längerem  Säumen  befürchten  musste,
dass  ein  anderes  Werk  die  Pressen  beschäftigen,  die  Zeit  aber,
für  die  ihm  der  Codex  geliehen  ward,  verstreichen  könne.
Wären  es  nicht  diese  Rücksichten  gewesen,  die  zur  Eile
trieben,  so  wäre  Tertullian  nicht  von  Rhenanus  herausgegeben
worden.  Denn  bei  hinlänglicher  Müsse  —  sagt  er  selbst  —
würde  er  die  zahlreichen  Mängel  der  Handschriften  entdeckt
haben  und  von  der  Edition  abgestanden  sein.  In  der  Hoffnung,
dass  die  Peterlinger  Handschrift  der  Ilirschauer  zu  Hülfe
kommen  werde,  wurde  Rhenanus  arg  getäuscht,  denn  überall
fanden  sich  dieselben  Fehler,  als  ob  die  Eine  von  der  Anderen
            
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