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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 71. Band, (Jahrgang 1872)

Des  Beatus  Rhenanus  literarische  Thätigkeit.

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kommen,  1  als  er  bereits  Theile  des  griechischen  Textes  vor
sich  hatte  (quod  huius  Graeca  quaedam  excerpta  haberemus).
Rhenanus  las  nun  die  Uebersetzung  auf  das  Genaueste  und
prüfte  sie  (recognouimus).  Am  Schlüsse  des  Vorwortes  aber
bittet  er  den  Grolierius  den  Maximus  Tyrius  ,a  me  utcunque
recognitunh  annehmen  zu  wollen:  Scholien  und  Noten  hat  er
nicht  beigefügt,  etwaige  Abweichungen  von  der  Uebersetzung
des  Paccius  konnte  ich  nicht  feststellen,  dürften  auch  wohl
kaum  Vorkommen,  da  auf  sie  sonst  gewiss  schon  in  der  Vorrede ­
  hingedeutet  worden  wäre.
In  demselben  Jahre  (1519)  gab  er  auch  bei  Froben  ein
Werk  des  Erasmus  unter  dem  Titel:  Familiarium  Colloquiorum
  formulae.  Et  alia  quedam  per  Desiderium  Erasmum
Roterodamum  heraus. 2  Die  Dedicationsepistel  des  Rhenanus
ist  an  Nicolaus  und  Crato  Stalberger  die  Söhne  des  Nicolaus
St.  Bürgermeister  von  Frankfurt  a.  M.  gerichtet  (dat.  Basel
10.  Calendas  Decembreis  An.  MDXVIII.)  und  für  den  Schreiber
charakteristisch.  Der  glühende  Eifer  der  beiden  jungen  Leute
nicht  bloss  für  die  lateinische  Sprache,  sondern  auch  für  das
Griechische  hat  ihn  zu  dieser  Ausgabe  veranlasst.  Der  Charakter
des  Rlienanus  tritt  hier  sehr  gut  zu  Tage.  Feine  Erudition  mit
den  besten  d.  i.  mit  christlichen  Sitten  verbunden,  scheint  ihm
das  beste  Lebensziel.  Was  nun  den  Inhalt  des  Büchleins  betrifft, ­
  so  wurde  es  dem  Rhenanus  nur  durch  die  Mühewaltung
eines  gelehrten  Jünglings  des  Lüttichers  Lambert  Hollonius
möglich,  diese  nicht  sehr  behutsam  gesammelten  Unterredungsformeln ­
  für  die  Jugend  zur  Herausgabe  zu  gewinnen,  die
Erasmus  vor  beiläufig  zwanzig  Jahren  für  den  Augustiner
Caminadus,  der  zu  Seeland  einigen  Knaben  Unterricht  gab,
während  seines  Pariser  Aufenthaltes  zusammenschrieb.  Um
diesen  Schatz  zugänglich  zu  machen,  damit  er  nicht  von  einem
zu  wachsamen  Drachen,  wie  das  goldene  Vli'ess  gehütet  werde
—  Caminadus  selbst  hatte  das  Büchlein  mehrmals  verkauft  —
giebt  ihn  nun  Rhenanus  heraus.  Die  Form  selbst  schien  ja
1  Uebrigens  hat  auch  Reuchlin  einen  Sermon  dieses  Platonikers  übersetzt.
Vgl.  darüber  L.  Geiger  Job.  Reuchlin  S.  94.
2  Mir  liegt  die  Ausgabe  der  Wiener  Hofbibliothek  vor,  auf  deren  Schlussblatt ­
  die  Worte  stehen:  Viennae  Pannoniae  apud  Joanuem  Singrenium
Mense  Aprilis  Anno  1520.

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