Des Beatus Rhenanus literarische Thätigkeit.
659
kommen, 1 als er bereits Theile des griechischen Textes vor
sich hatte (quod huius Graeca quaedam excerpta haberemus).
Rhenanus las nun die Uebersetzung auf das Genaueste und
prüfte sie (recognouimus). Am Schlüsse des Vorwortes aber
bittet er den Grolierius den Maximus Tyrius ,a me utcunque
recognitunh annehmen zu wollen: Scholien und Noten hat er
nicht beigefügt, etwaige Abweichungen von der Uebersetzung
des Paccius konnte ich nicht feststellen, dürften auch wohl
kaum Vorkommen, da auf sie sonst gewiss schon in der Vorrede
hingedeutet worden wäre.
In demselben Jahre (1519) gab er auch bei Froben ein
Werk des Erasmus unter dem Titel: Familiarium Colloquiorum
formulae. Et alia quedam per Desiderium Erasmum
Roterodamum heraus. 2 Die Dedicationsepistel des Rhenanus
ist an Nicolaus und Crato Stalberger die Söhne des Nicolaus
St. Bürgermeister von Frankfurt a. M. gerichtet (dat. Basel
10. Calendas Decembreis An. MDXVIII.) und für den Schreiber
charakteristisch. Der glühende Eifer der beiden jungen Leute
nicht bloss für die lateinische Sprache, sondern auch für das
Griechische hat ihn zu dieser Ausgabe veranlasst. Der Charakter
des Rlienanus tritt hier sehr gut zu Tage. Feine Erudition mit
den besten d. i. mit christlichen Sitten verbunden, scheint ihm
das beste Lebensziel. Was nun den Inhalt des Büchleins betrifft,
so wurde es dem Rhenanus nur durch die Mühewaltung
eines gelehrten Jünglings des Lüttichers Lambert Hollonius
möglich, diese nicht sehr behutsam gesammelten Unterredungsformeln
für die Jugend zur Herausgabe zu gewinnen, die
Erasmus vor beiläufig zwanzig Jahren für den Augustiner
Caminadus, der zu Seeland einigen Knaben Unterricht gab,
während seines Pariser Aufenthaltes zusammenschrieb. Um
diesen Schatz zugänglich zu machen, damit er nicht von einem
zu wachsamen Drachen, wie das goldene Vli'ess gehütet werde
— Caminadus selbst hatte das Büchlein mehrmals verkauft —
giebt ihn nun Rhenanus heraus. Die Form selbst schien ja
1 Uebrigens hat auch Reuchlin einen Sermon dieses Platonikers übersetzt.
Vgl. darüber L. Geiger Job. Reuchlin S. 94.
2 Mir liegt die Ausgabe der Wiener Hofbibliothek vor, auf deren Schlussblatt
die Worte stehen: Viennae Pannoniae apud Joanuem Singrenium
Mense Aprilis Anno 1520.
42*