Des Beatus Rhenanus literarische Thätigkeit.
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Rhenanus geht in ihr von der Nützlichkeit der öffentlichen
Declamation (Redeübung oder Vortrag) aus, die gewissermassen
dem lydischen • Steine vergleichbar sei. Denn so oft wir vor
der Menge sprechen, erfahren wir leicht, ob ein Einfüll glücklich,
ob die Anordnung kunstvoll gerathen sei, aus den Mienen
der Zuhörer lässt sich entnehmen, ob man uns das weisse
oder das schwarze Steinchen zuwerfen werde. Mit einem Worte,
die, Zuhörerschaft vermehrt die Sorgfalt und schärft unseren
Fleiss durch die Befürchtung, wir möchten statt des Lobes
Tadel, statt des Ruhmes Schande davontragen. Möchte doch
statt der zankreichen Disputationen, von denen nun überall die
Gymnasien ertönen, lieber wieder die alte Gewohnheit der
Declamation eingeführt werden! Eine Spur davon findet sich
noch in Paris, wo die Theologen an festgesetzten Tagen in
der Dominicuskirche (apud diui Dominici) Reden halten so
elegant, dass sie aus Athen und Rom — dessen Absenker zu
sein sich Paris rühmt — diese Sitte übernommen zu haben
scheinen. Auch die alten Philosophen schreckten davor nicht
zurück, denn was sind die Bücher des Apulejus anders, als
zu Carthago gehaltene Vorträge. Und dieser unser Tyrius
scheint seine Vorträge nicht so sehr in fortfliessender Rede
geschrieben, als vielmehr gesprochen zu haben und zwar nicht
vor einer zusammengelaufenen Menge, als vielmehr vor Gelehrten
und Freunden. Dass sich aber der römische Senator
vor Hörnern der griechischen Sprache bedient habe, kann Niemandem
auffallen, jeder Gelehrte verstand ja damals griechisch,
ein guter Theil Italiens bediente sich nicht blos der griechischen
Sprache, sondern ward sogar Grossgriechenland genannt. —
In Hinsicht der Vorzüge seines Autors verweist Rhenanus auf
die Praefation des Paccius (S. 5), ,felic.issimi scriptoris felicissimus
interpres', und setzt ihn — wie er sagt — als der Erste
unter die platonischen Philosophen, sowol seines Urfheils als
seines glänzenden Stiles wegen. Die höchsten Fragen' behandelt
er nemlich nach der Sitte der Redner, so dass er den
Ernst der Philosophie durch eine gewisse poetische Feierlichkeit
mässigt und darauf zur platonischen Philosophie, wie zu
einem Orakel flüchtet. — Er ergeht sich dann in Betrachtungen
über die platonische Leime der Gütergemeinschaft, den platonischen
Staat und die Aehnlichkeit der platonischen Ethik mit
Sitzb. (1. phil.-liist. CI. LXXI. Bei. III. Hft. 42