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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 71. Band, (Jahrgang 1872)

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Horawitz.

dieses  Nachdruckes  1  —  zum  Besten  der  Jugend  unternommen
sei,  da  sich  in  diesem  Werke  F.  Andrelinus  als  unbescholtenen
und  sittenstrengen  Redner  erweise.  Der  Inhalt  der  Vorrede  ist,
wie  die  ,Epistolae‘  selbst,  durchaus  moralisch  und  spricht  die
Absicht  aus,  der  Jugend  eine  Art  von  Wegweiser  zu  einem
guten  und  glücklichen  Lehen  in  die  Hand  zu  geben.  Der
Jüngling  wird  daraus  lernen,  wie  sehr  er  die  Liebe  der  Frauen
—  die  bei  Andrelinus  c.  5  sehr  übel  wegkommen  —  und  das
Vergnügen  zu  fliehen  habe,  und  wie  richtig  der  griechische
Satz  sei,  den  Herrnolaus  Barbaras  durch  die  Worte  :  ,Venter,
pluma,  Venus  laudem  fugienda  sequenti'  übersetzt.  Er  wird
daraus  lernen,  dass  man  die  kostbare  Zeit  nicht  in  Trägheit
verbringen  dürfe,  und  man  die  Müsse  als  den  Ursprung  so
vieler  Uebel  meiden  müsse.
Neben  dieser  moralischen  Tendenz  fasst  er  aber  auch
den  formellen  Nutzen  in’s  Auge,  der  in  der  eleganten  Latinität
der  Epistolae  liegt.  —
Erst  zwei  Jahre  später  begegnen  wir  wieder  einer  literarischen ­
  Arbeit  des  Rhenanus,  einer  biographischen  Leistung,
einer  Art  von  Panegyricus  und  Gelegenheitsschrift.  Es  ist  die
um  1510  bei  Schürer  in  Strassburg  erschienene  Vita  Joannis
Geileri  Cäsaremontani,  Primi  Concionatoris  In  Aede  Sacrae
Majoris  Ecclesiae  Argentoratensis.  2  Das  kleine  dem  Dr.  theol.
Jodocus  Gallus  gewidmete  Schriftchen  ist  in  guter  knapper
Sprache  geschrieben  und  giebt  eine  kurze  nur  zweimal  durch
Reflexionen  über  die  Verderbtheit  der  Geistlichen  unterbrochene
Schilderung  des  berühmten  Predigers.  Als  Quellen  nennt  er
die  Mittheilung  eines  Diener  Geiler’s  des  Religiösen  G.  Lucelstein
  und  einen  alten  Calender,  in  dem  sich  viele  Notizen  (wol
von  Geiler  selbst)  befanden.  —  Das  Wesen  Geiler’s  wird  recht
gut  in  der  Bemerkung  zusammengefasst,  er  sei  nicht,  wie  so
viele  im  Reden  ein  Cato,  im  Handeln  aber  Sardanapal  gewesen,

1  Vgl.  Denis  Wiener  Buchdruckergeschichte  207—8.  Die  mir  vorliegende
Ausgabe  ist  ein  Wiener  Nachdruck  von  J.  Singrenius  1520—4.  Expensis
II.  Werlen.  Ehenanus  Unterzeichnete  die  Vorrede  :  Selestati  pridie  Calendas
Septemb.  Anno  MDVIII.  Am  Schlüsse  erwähnt  er  des  Aristoteles  mit  den
Worten  :  Aristoteles  summus  (Pliniano  Eulogio)  in  omni  scientia  vir.
2  Auch  hei  der  trefflichen  Schilderung  Geiler’s  in  der  Geschichte  von  Eisass
von  W.  Scherer  und  0.  Lorenz  benützt.  (B.  I.  S.  149  ff.)
            
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