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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 71. Band, (Jahrgang 1872)

480

Haupt.

Spuren  gäbe,  die  ,burnde‘  Nessel  allein  reichte  hin,  um  uns
die  Quelle  zu  verrathen.  Der  bairisch-österreichische  Schreiber
verstand  den  Ausdruck  gar  nicht,  denn  sonst  hätte  er  ihn  in
,heiternezzel‘  oder  brennende  Nessel  u.  dgl.  umsetzen  müssen.
Grobe  Missverständnisse  liegen  ebenfalls  vor.  Werthvoll  bleibt
der  Auszug  aber  in  mehr  als  einem  Betracht;  für  die  wichtigen
Stücke  der  Gynäkologie,  die  in  den  späteren  Auszügen  erscheinen, ­
  leistet  er  Gewähr,  da  besonders  die  alte  Pg.  Hs.  2524
gerade  hier  bedenklich  wortkarg  ist.  Wer  diese  alten  Arzneibücher ­
  nur  zum  Theil  gelesen  hat,  weiss  was  breiten  Raumes
die  Weisungen  ad  prouocandum  coitum,  pro  pene  stimulando
et  stringendo,  ad  menstruum  prouocandum  u.  s.  w  einnehmen.
Ja,  wenn  man  die  Fülle  von  Rece'pten  pro  abortu  artiticiali
oder  wie  es  hier  meist  heisst  ad  menstruum  prouocandum  liest,
so  hat  man  einen  Einblick  in  das  fromme  lind  gottselige  Mittelalter
  von  einer  Seite,  die  sonst  mit  historischem  Dunkel  und
Dünkel  versteckt  wird.
,3.  Hieher  gehört  auch  die  Pp.  Hs.  3217.  In  dieser  Nummer
sind  eigentlich  mehrere  Hss.  vom  Buchbinder  schon  im  XV.  Jahrhundert ­
  vereinigt  worden,  und  zwar:
a  1  —13,  b  14—26,  c  27  —42,  d  43—80,  endlich  e  81—128.
Dieses  letzte  Stück  geht  uns  hier  allein  an,  denn  nur  dieses
enthält  auf  81 r —118 T  und  128 r  Auszüge  aus  dem  B  a  r  t  h  o  1  omaeus
  und  zwar  in  folgender  Gestalt:
81 r —84 r  mit  der  Ueberselirift:
Liber  Bartholomaei.  Constantini.  ypocratis.  Galieni
den  Brief  des  Pseudo-Aristoteles  an  Alexander  über
die  Pflege  des  Leibes.
84 r —87 r  Vom  Aderlässen  besonders  mit  dem  ,ventosen.‘
Ueber  diese  zwei  Stücke  wird  weiter  gehandelt  werden
in  A  Abschnitt  VIII.
Hierauf  folgen  diese  Recepte:
87 r  wildv  trunchen  werden,  nim  rüten  sämen  vnd  mule  den
wol  in  einem  morser  vnd  leg  den  in  wein.  Swelich  mensch  daz  getrinchet.
  daz  wirt  trunchen  gar.
wild  dv  di  vloch  all  totten.  nim  ein  heslein  mieten  vnd  schabe
di  schone  vn  pestreich  daz  mit  pochs  pluet  oder  mit  einer  vohen  vnslide
vnd  stecke  ez  vnder  di  vlöhe,  si  springent  all  dar  an.
            
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