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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 71. Band, (Jahrgang 1872)

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Höfler.

der  besiegten,  der  römischen  Welt  zu  Theil  werden  soll  und
auf  deren  Begründung  Rom  in  seiner  dritten,  kaiserlichen
Epoche  so  stolz  war.  Die  nächste  Umgebung  Roms,  seine  damalige ­
  Welt,  hat  Roms  Uebennacht  anerkannt;  aus  Hirten  und
Räubern  wurden  Krieger,  aus  Kriegern  Bürger,  aus  ihrem  Anführer ­
  ein  König,  ein  Gesetzgeber,  ein  Ordner  des  Staates,  ein
Hirte  der  Völker.  Die  Sühnung  kann  eintreten.  Wie  auf  den
bluterfüllten  aber  doch  göttlichen  Cajus  Julius  der  Vater  des
Vaterlandes,  der  Bringer  des  Friedens,  der  Friedensfürst
Augnstus,  folgt  auf  Romulus  der  Friedensfürst  Numa,  der
zweite  Gründer  Roms,  von  dem  es  heisst:  jure  urbem  legibusque
  ac  moribus  de  integro  condere  poterat  (Liv.),  eine  Stelle,
die  Augustus  und  die  Seinen  wohl  verstanden  haben  werden
und  die  ihnen  wie  Honigseim  im  Munde  zerflossen  sein  mag.
Die  Einseitigkeit  des  Romulus  muss  durch  den  Inhalt  des
Andern  ergänzt  und  ausgefüllt  werden,  zum  blutigen  Grunde
der  unblutige  sich  gesellen,  auf  Krieg  und  Mord  der  höhere
Zweck  des  Mordens,  die  Herstellung  der  sittlichen  und  religiösen ­
  Ordnung  folgen,  zur  politischen  die  des  Cultus,  der  mit
dem  Staate  sich  identificirt.  Remus  und  Tatius  wurden  verworfen, ­
  Romulus  und  Numa  sind  sich  gegenseitiges  Complement,
  sie  sind  nur  der  Janus  unter  den  Königen  Roms.
Auch  Numa  gehört  noch  den  Göttern  an,  so  gut  wie  der
zu  den  Göttern  entrückte  Romulus.  Er  steht  nur,  weil  er  der
Geschichte  näher  steht,  in  dieser  Beziehung  um  eine  Stufe
niedriger,  den  Menschen  näher,  den  Göttern  ferner,  ist  mehr
Mensch  als  Gott.  Die  Kraft,  die  sieben  Tausend  erschlägt,
braust  nicht  in  seiner  Rechten.  Er  ist  nicht  eines  Gottes
Sohn,  aber  der  Liebling  einer  Göttin.  Vor  ihm  hat  Romulus
die  hundert  Senatoren  ernannt;  er  ist  dafür  der  nicht  minder
weise  Ordner  des  Cultus  und  als  dieser  vom  göttlichen  Hauche
erfüllt,  der  ä'pywv  ßactXs6<;;  der  andere  der  König  Heerführer.
Im  Richteramte,  in  der  Darbringung  der  Opfer  begegnen  sich
wieder  beide.  Sie  machen,  Einer  nach  dem  Andern,  Alles
was  in  Rom  an  Fundamentaleinrichtungen  besteht,  und  doch
ist  in  Rom  eigentlich  nichts  gemacht,  sondern  Alles  organisch
geworden!  So  setzt  Numa  den  Romulus  voraus,  das  Werk
des  Romulus  ist  nur  halb  ohne  das  des  Numa,  der  Eine  bedingt ­
  den  Andern.  Romulus  ist  Sohn  eines  Gottes,  Numa
            
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