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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 71. Band, (Jahrgang 1872)

Abhandlungen  aus  dem  Gebiete  der  alten  Geschichte.  VI.

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Sage  wird  zur  römischen  und  wie  Osiris  und  Typhon  in  der
ägyptischen  Vorzeit,  stehen  jetzt  Romulus  und  Remus  blutbefleckt ­
  in  der  römischen  da.  Wohl  ist  die  Einheit  wieder
gewonnen,  wie  sie  in  Alba  gewonnen  worden  war.  Jetzt  kommt
aber  der  fremde  Factor,  eine  neue  Zweiheit  zu  gründen,  da
man  eben  von  ihr  nicht  lassen  kann,  so  dass  es  ja  nach  einer
Version  der  Sage  heisst,  Remus  sei  gar  nicht  gestorben,  sondern ­
  habe  selbst  Romulus  überlebt.  Dieser  aber,  der  den
neuen  Staat  ordnet,  begründet  ihn,  er  mag  wollen.  oder  nicht,
auf  den  Dualismus,  den  er  eben  selbst  mit  blutiger  Faust
zerstört.  Er  ist  es  ja  gewesen,  welcher  die  dualistische  Bevölkerung ­
  Roms,  Patricier  und  Plebejer  gründete.  Er  nimmt
den  Sabinerkönig  Titus  Tatius  zu  seinem  Collegen  auf;  die
mit  Blut  hergestellte  Einheit  kann  sich  nicht  halten  und  der
Dualismus  behauptet  durch  das  Mittel,  das  ihn  beseitigen
sollte,  erst  vollständig  seine  Rechte,  da  an  die  Stelle  des  ermordeten ­
  Bruders  der  Sabiner  Titus  Tatius,  der  König  des  Brudervolkes, ­
  tritt.  Als  aber  dieser  an  dem  latinischen  Opfer  Theil
nehmen  will,  den  Dualismus  zwischen  Rom  und  Alba  zu  beseitigen ­
  gedenkt,  verfällt  er  dem  Zauberkreise  Alba’s,  von  wo
das  Morden  ausgegangen  war.  Er  wird  erschlagen  wie  Remus,
Latinus  und  Aeneas;  Romulus  aber,  der  wieder  allein  regiert,
kennt  nun  im  Morden  keine  Grenzen.  Mit  eigener  Hand  erschlägt ­
  er  7000  Vejenter;  sie  sind  sein  eigenes  Todtenopfer.  Er
wird  jetzt  zu  den  Göttern  versammelt,  zu  welchen  er  als  der
Dritte  wie  Evander,  wie  Ascanius,  nachdem  ihm  Remus  und
Tatius  vorangegangen,  einzieht.  Die  Legende  ist  zu  Ende  und
will  die  Sage  Neues  schaffen,  muss  sie  sich  erst  auch  einen
neuen  Boden  bereiten.
Es  ist  der  alte  Weg,  auf  welchem  sie  dieses  thut.  Sie
ist  von  Alba  ausgegangen,  hat  sich  zu  den  Ramnenses  gewendet ­
  ;  jetzt  trifft  es  die  Titienses,  den  Einschlag  zu  geben.
Neben  Romulus  konnte  sich  Titus  Tatius  nicht  halten;
nach  ihm  kann  er  als  Numa  Pompilius  bestehen.  Aus  der  ursprünglichen ­
  Zweiheit  wird  ein  successiver  Dualismus.  Nach
2  X  20  Jahren  fast  ununterbrochener  Mordscenen  ist  endlich
der  Augenblick  gekommen,  in  welchem  Saturnische  Zeiten
wiederkehren;  das  zum  blutigen  Opferherde  der  übrigen  Welt
eingeweihte  Rom  feiert  im  Voraus  die  Friedensepoche,  welche
            
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