Abhandlungen aus dem Gebiete der alten Geschichte. VI.
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Sage wird zur römischen und wie Osiris und Typhon in der
ägyptischen Vorzeit, stehen jetzt Romulus und Remus blutbefleckt
in der römischen da. Wohl ist die Einheit wieder
gewonnen, wie sie in Alba gewonnen worden war. Jetzt kommt
aber der fremde Factor, eine neue Zweiheit zu gründen, da
man eben von ihr nicht lassen kann, so dass es ja nach einer
Version der Sage heisst, Remus sei gar nicht gestorben, sondern
habe selbst Romulus überlebt. Dieser aber, der den
neuen Staat ordnet, begründet ihn, er mag wollen. oder nicht,
auf den Dualismus, den er eben selbst mit blutiger Faust
zerstört. Er ist es ja gewesen, welcher die dualistische Bevölkerung
Roms, Patricier und Plebejer gründete. Er nimmt
den Sabinerkönig Titus Tatius zu seinem Collegen auf; die
mit Blut hergestellte Einheit kann sich nicht halten und der
Dualismus behauptet durch das Mittel, das ihn beseitigen
sollte, erst vollständig seine Rechte, da an die Stelle des ermordeten
Bruders der Sabiner Titus Tatius, der König des Brudervolkes,
tritt. Als aber dieser an dem latinischen Opfer Theil
nehmen will, den Dualismus zwischen Rom und Alba zu beseitigen
gedenkt, verfällt er dem Zauberkreise Alba’s, von wo
das Morden ausgegangen war. Er wird erschlagen wie Remus,
Latinus und Aeneas; Romulus aber, der wieder allein regiert,
kennt nun im Morden keine Grenzen. Mit eigener Hand erschlägt
er 7000 Vejenter; sie sind sein eigenes Todtenopfer. Er
wird jetzt zu den Göttern versammelt, zu welchen er als der
Dritte wie Evander, wie Ascanius, nachdem ihm Remus und
Tatius vorangegangen, einzieht. Die Legende ist zu Ende und
will die Sage Neues schaffen, muss sie sich erst auch einen
neuen Boden bereiten.
Es ist der alte Weg, auf welchem sie dieses thut. Sie
ist von Alba ausgegangen, hat sich zu den Ramnenses gewendet
; jetzt trifft es die Titienses, den Einschlag zu geben.
Neben Romulus konnte sich Titus Tatius nicht halten;
nach ihm kann er als Numa Pompilius bestehen. Aus der ursprünglichen
Zweiheit wird ein successiver Dualismus. Nach
2 X 20 Jahren fast ununterbrochener Mordscenen ist endlich
der Augenblick gekommen, in welchem Saturnische Zeiten
wiederkehren; das zum blutigen Opferherde der übrigen Welt
eingeweihte Rom feiert im Voraus die Friedensepoche, welche