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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 71. Band, (Jahrgang 1872)

Abhandlungen  aus  dem  Gebiete  der  alten  Geschichte.  VI.

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kommt  diese  .Sage  zu  Ende.  Sie  muss,  um  eine  Fortsetzung
zu  gewinnen,  nicht  blos  Fremdes  an  sich  ziehen,  sondern  ihren
ganzen  Schauplatz  verändern.  Sie  steigt  von  den  Tiberhügeln
zu  denen  des  Mons  Latinus  empor,  von  den  Tiberniederungen
zu  der  Küste  des  Meeres  herab.
Da  regiert  —  denn  regiert  muss  einmal  werden,  wie  auf
dem  Janiculus  Janus,  so  in  Laurentum  Latinus;  wie  zu  jenem
Saturn,  kommt  zu  diesem  Aeneas,  des  Anchises  und  der  Aphrodite
Sohn.  Wie  Saturn  Saturnia,  gründet  Aeneas  Lavinium  ;  es  entsteht ­
  ein  Doppelreich  wie  früher  an  der  Tiber,  nunmehr  von
Latinern  und  Trojanern.  Während  aber  zum  ersten  Paare  sich
Evander  nach  2  Menschenaltern  gesellt,  treten  gegen  das  zweite
Paar  2  Fremde  auf,  der  Rutulerkönig  von  Ardea  Turnus,  der
Etruskerkönig  Mezentius.  Latinus  fällt  gegen  den  Einen,  Aeneas
gegen  den  Andern.  Lavinium  und  Laurentum  verlieren  ihre
Bedeutung,  dafür  aber  tritt  Alba  Longa  ein  mit  dem  Angesichte
gegen  die  Tiberebene  ;  die  dritte  Stadt  verdrängt  die  beiden
anderen  wie  Ascauius  sich  gegen  die  beiden  Feinde,  als  Erbe
der  beiden  Freunde  erhält.  Auch  hier  wandert  die  Sage  fortwährend ­
  von  der  Zweiheit  zur  Dreiheit;  die  ältere  wiederholt
sich  in  der  jüngeren  ohne  den  Zahlenring  durchbrechen  zu
können.
Es  ist  auch  in  der  dritten  Abstufung  nicht  möglich.  Da
bereitet  uns  schon  Fabius  Pictor  mit  der  Rhea-Sylviasage  den
Boden.  Zwei  Herrscher  giebt  es  in  Alba  Longa,  jetzt  in  der
Einen  Stadt,  nicht  mehr  auf  verschiedenen  Hügeln  oder  in
zwei  Städten;  beide  sind  Brüder  wie  die  Cabiren  Samothraciens,
wie  Romulus  und  Remus,  wie  die  Ahnherren  des  Menschengeschlechtes ­
  nach  der  semitischen  Sage.  Diesmal  verdrängt
aber  der  jüngere  Amulius  den  älteren  Numitor,  er  erschlägt
den  Neffen,  macht  des  Vertriebenen  Tochter  zur  Vestalin
und  behauptet  so  den  Sieg  der  Einheit  über  die  Zweiheit.
Allein  diese  lässt  sich  nicht  so  leicht  abweisen.  Der  deus  ex
machina  kommt  zu  Hilfe  die  Zweiheit  wieder  herzustellen;
Mars  selbst  übernimmt  es  hier  einzutreten  und  Numitor  erhält
für  den  Einen  Sohn  2  Enkel.  Der  Dualismus  von  Numitor
und  Amulius  ist  mit  Romulus  und  Remus  wieder  hergestellt.
Für  die  Kinder  des  Verbrechens  ist  aber  keine  Stätte  im  einheitlichen ­
  Alba  Longa.  Sie  werden  in  den  2  X  60  Stadien
            
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