Die römische Reichsstrasse von Thunum nach Ovilaba.
397
sind nicht für sich bestehende Neuerungen, als welche sie
in der That schwer verständlich sein würden, sondern sie
bilden nur einen auffälligeren Bestandtheil jener tiefer eingreifenden
Umgestaltung.
Der Zweck derselben war die Abschaffung der alten
Uebelstände; um sie zu beseitigen, musste zunächst eine gleichmassigere
Eintheilung der Wegstrecken, die an den einzelnen
Reisetagen zu machen waren, dann eine Verlegung der Nachtherbergestellen
an die tauglicheren Orte in den Thälern erfolgen.
Das wurde erreicht, indem erstens die Herbergen in
Virunum und Ovilaba aufgehoben und dort nur Wechselstellen
angelegt, und indem zweitens die Stationen um durchschnittlich
5 mp. weiter gegen Norden gerückt wurden.
Ohne Zweifel ist man dabei von den Uebergängen über’s
Gebirge und von der Beseitigung der hochgelegenen Mansionen
auf denselben ausgegangen, welche eben die grössten Schwierigkeiten
verursachten. Nachdem sie einmal überhaupt aufgelassen
werden sollten, gab es kein Hinderniss mehr, die Fahrten über
beide Berge, , statt sie durch die Nachtherbergen zu unterbrechen,
in angemessener Weise als je eine ganze Tagreise
für sich zu behandeln.
Der Weg über den Tauern beträgt 19 mp., von denen
beinahe gleiche Hälften auf die beiden Abhänge bis zum
Gipfel entfallen. Damit war es von selbst gegeben, die eine
Nachtherberge am südlichen Fusse bei Möderbrack (Tartusana),
die andere an den nördlichen Fuss, die Wechselstelle aber
auf die Höhe des Gebirges nach Surontium zu verlegen. So
hatte man einen festen Punct gewonnen, von welchem alle
übrigen Tagreisen gegen Virunum und gegen Ovilaba zu eingetheilt
werden mussten. Zunächst kommen jene in Betracht.
In der Richtung gegen Virunum waren von Tartusana aus
noch 63 mp. zuriickzidegen: man konnte diese Strecke in zwei
Tagreisen zu je 31 '/„ mp. oder in drei zu je 21 mp. abtheilen.
Allein in beiden Fällen ergaben sich Schwierigkeiten.
Im ersten Falle wären nämlich die Tagreisen für das
schwierige Terrain zwischen Virunum und dem Murthale (Teuffenhach),
dann zwischen diesem (Pichl) und Möderbrack zu
gross gewesen. Die Eintheilung in drei Reisetage würde aber
— im andern Falle — die Dauer der Reise verlängert haben,