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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 71. Band, (Jahrgang 1872)

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Kenner.

Wasserscheide  in  eine  m  Tage  zurückzulegen:  am  folgenden
Tag  hingegen  war  nur  die  kurze  Strecke  (18  mp.)  von  Sabatinca
  (St.  Johann)  nach  Monate  (St.  Georgen)  und  zwar  meist
abwärts,  zum  kleineren  Theil  in  der  Ebene  zu  machen.  Das
ist  ein  auffallendes  Missverhältnis  in  der  Eintheilung  der  Tagreisen. ­
  Weniger  bedeutsam,  aber  immer  noch  scharf  abstechend
gegen  die  übrigen  Distanzen  der  Route  ist  die  letzte  derselben ­
  (Tutatio  —  Ovilaba)  von  35  mp.,  zumal  wenn  man  bedenkt, ­
  dass  nahezu  die  Hälfte  dieser  Strecke  von  Terrainschwierigkeiten ­
  keineswegs  frei  ist.  Endlich  kommt  noch  dazu,
dass  die  Nachtherbergen  nicht  in  den  besuchteren,  leichter  mit
Zufuhren  erreichbaren  Orten  der  Thäler,  sondern  auf  den
beiden  Bergen,  auf  dem  Pirn  (Gabromagus)  und  auf  dem  Tauern
(Sabatinca)  lagen.  Auch  dies  ist  ein  offenbarer  Mangel  in  der
Eintheilung  der  Tagreisen.  Er  mag  aus  der  ursprünglichen
einfacheren  Gestaltung  des  Postdienstes  herrühren,  bei  welcher
es  sich  zunächst  nur  um  die  Beförderung  von  Staatscourieren
handelte;  es  war  damals  kein  Bedürfniss  aus  Rücksicht  auf
die  Bequemlichkeit  der  Reisenden  von  dem  Schema  abzugehen,
welches  für  die  Vertheilung  der  Stationen  bestand.  Anders
musste  es  aber  werden,  als  die  römische  Cultur  im  Lande  zunahm ­
  und  unter  den  günstigen  örtlichen  Bedingungen,  welche
das  gerade  von  unserer  Strasse  durchzogene  Obersteier  der
Entwickelung  des  Gewerbefieisses  darbot,  eine  äusserst  regsame ­
  Mischcultur  heranblühte;  eben  in  dem  Umkreise  der
alten  Hauptstadt  des  Landes  (Noreia)  zeigen  die  Funde  einen
auffallend  dichten  Bestand  von  römisch-norischen  Ortschaften
an.  Im  Verhältnis  dazu  musste  auch  die  Frequenz  der  Strasse
bedeutend  zunehmen  und  die  Zahl  derjenigen  wachsen,  welche
theils  von  Rechtswegen  die  Vergünstigung  genossen,  durch  die
Staatspost  befördert  zu  werden,  theils  diese  erkauften  oder
irgendwie  durch  Missbrauch  erwarben,  —  was  nach  den  vielen
Verordnungen,  die  dagegen  erschienen,  fast  als  der  normale
Zustand  betrachtet  werden  darf.  Bei  solcher  Vermehrung  der
Reisenden  wurden  die  Mängel  der  älteren  Einrichtung  sehr
empiindlich.  Die  kleinen  schlecht  versorgten  Herbergen  in
armen  hochgelegenen  Orten,  das  Anhalten  und  Zusammentreffen ­
  vieler  Fuhrwerke  bei  ihnen,  die  ungleiche  Eintheilung
der  Tagreisen,  all  das  wurde  ein  Hemmniss  des  Fortkommens
            
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