Skip to main content Jump to sidebar

Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 71. Band, (Jahrgang 1872)

Die  römische  Reichsstrasse  von  Virunum  nach  Ovilaha.

391

dorf)  das  lange  Bestehen  kund  gab;  auch  für  die  uralte  Benützung ­
  des  Ueberganges  über  den  Tauern  ist  die  Existenz
dieses  Namens,  wie  schon  oben  bemerkt  wurde,  wichtig.
Ueberdies  kann  noch  der  Name  Candalicae  insoferne
erklärt  werden,  als  can  (im  Irischen  cean)  die  Bergkuppe,  all
(im  Irischen)  Stein  bezeichnet;  1  cean-aille  (oder  ceann-d-aille)
wäre  demnach  Felsenberg  und  Candalicae  würde  einen  Ort  an
einem  felsigen  Berge  bezeichnen.  —
Was  die  Eintheilung  der  Stationen  auf  der  in  Rede  stehenden ­
  Route  betrifft,  so  bietet  das  Itinerarium  eigenthümliche
Erscheinungen  der  Beobachtung  dar.  Die  in  ihm  genannten
Stationen  sind  nicht  blosse  mutationes  (Wechselstellen),  deren
das  Itinerar  überhaupt  nicht  namhaft  macht,  sondern  mansiones
(Raststellen),  in  denen  die  Nacht  zugebracht  wurde,  da  die
römische  Staatspost  den  Nachtdienst  nicht  kannte.  Diese  mansiones ­
  sind  aber  keineswegs  nach  gleichen  Entfernungen  angebi’acht,
  was  sich  leicht  erklärt,  da  hiebei  die  Terrainverhältnisse ­
  den  Ausschlag  geben.  Es  finden  sich  zweierlei  Distanzen,
solche  von  rund  20  und  solche  von  30  mp.  Die  ersteren  fallen
auf  jene  Strecken,  wo  schwieriges  unebenes  Terrain  vorherrscht;
so  zwischen  Virunum  und  Candalicae  (Zollfeld—Gaudriz),  Monate ­
  und  Sabatinca  (St.  Georgen—St.  Johann),  Gabromagus
und  Tutatio  (Pirn—St.  Pankraz).  Die  anderen  vertheilen  sich
auf  die  mehr  ebenen  Gegenden  im  Thale,  wie  zwischen  Candalicae ­
  und  Monate  (Gaudriz  —  St.  Georgen  im  Murthale),
Tutatio—Ovilaba  (Klaus-Wels).  Nun  findet  sich  aber  auch
zwischen  Sabatinca  und  Gabromagus  (St.  Johann—Pirn)  eine
Distanz  von  30  mp.,  obwol  die  Terrainverhältnisse  hier  recht
schwierig  sind;  es  ist  nämlich  darin  für  die  Hinfahrt  inbegriffen ­
  der  letzte  Anstieg  auf  dem  Tauerngebirge  (St.  Johann—
Hohentauern),  die  steile  Thalfahrt  über  die  Nordabhänge  des
Gebirges  (Hohentauern  bis  Rottenmann),  endlich  der  Anstieg
auf  den  Pirn  (Lietzen—Pirn).  Noch  auffallender  wird  diese
Eintheilung  für  die  Rückfahrt  von  Ovilaba  nach  Virunum.  Da
hatte  man  die  ganze  Strecke  von  Pirn  abwärts  durchs  Ensthal
und  über  Rottenmann,  sodann  die  ganze  Höhe  des  Tauerngehirges
  und  noch  darüber  hinaus  bis  St.  Johann  jenseits  der

1  Mone  55,
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.