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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 71. Band, (Jahrgang 1872)

Die  römische  Reichsstrasse  von  Virunum  nach  Ovilaha.

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Zunächst  vom  Fusse  des  Pirn  weg  dehnt  sich  die  kleine
Ebene  des  Teichelflusses  aus;  im  hohen  Mittelalter  und  noch
mehr  im  Alterthum  mag  sie  einen  grossen  von  der  Teichel
durchflossenen  Sumpf  gebildet  haben,  noch  heute  ist  der  Boden
der  Ebene  moorig  und  giebt.es  in  der  Umgebung  von  Spital
und  Windischgarsten  eine  verhältnissmässig  grosse  Anzahl  von
Teichen,  gleichsam  als  Ueberbleibsel  des  Sumpfes. 1
Dagegen  im  Osten,  wo  noch  heute  die  Strasse  läuft,  ist
das  Terrain  vom  Gebiete  des  Sumpfes  durch  eine  längere
Hügelreihe  getrennt,  es  bildet  sich  da  ein  schmales  Thal,  an
dessen  nördlichem  Ende  Windischgarsten  liegt;  hier  ist  der
eine  militärisch  wichtige  Punct  des  Thaies.  Der  Ort  liegt  auf
einem  etwas  erhöhten  Boden  und  beherrscht  die  Strasse  bis
gegen  den  Pirn  auf  der  einen,  und  die  Teichel  hinab  auf  der
andern  Seite.  Auch  mündet  bei  Windischgarsten  ein  anderes
Thal,  durch  welches  der  Dambach  herausfliesst.  Nahezu  vier
Meilen  sich  nach  Osten,  fortsetzend,  endet  es  bei  Altenmarkt  an
der  Ens,  welche  ebenda  die  Gebirgskette  unterbrechend,  aus
dem  Binnenland  ins  Uferland  tritt;  jenes  Querthal  verband
also  die  Thalwege  der  Teichel  und  Steier  mit  dem  der  Ens.
Heute  mit  einer  kleinen  Strasse  bestellt,  war  das  Thal  wol
anch  in  sehr  früher  Zeit  von  einer  solchen  durchzogen,  denn
es  bot  einen  verhältnissmässig  kurzen  Weg,  um  durch  die  bei
den  Römern  gebräuchlichen  Alarmsignale,  mittelst  Rauchsäulen
und  Feuer,  etwaige  Vorgänge  ans  dem  oberen  Uferlande,  ohne
dass  es  der  Feind  bemerkte,  im  Rücken  der  Gebirge  an  die
Ufercastelle  zu  Laureacum,  ad  pontem  Ises  (Ips)  und  Arelate
(Gr.  Pechlarn)  oder  umgekehrt  bekannt  zu  geben;  dies  waren
die  äussersten  Endpuncte  der  Wege,  welche  ins  Gebirge  führend ­
  in  Altenmarkt  zusammentrafen.  Es  ist  daher  sehr  wahrscheinlich, ­
  dass  man  jenes  Querthal  zu  beherrschen  gesucht
habe,  was  durch  kleinere  Posten  an  seinen  Ausgängen,  bei
Altenmarkt  und  bei  Windischgarsten  bewirkt  werden  konnte.
So  fanden  sich  mehrere  Umstände  in  letzterem  Orte  zusammen, ­
  welche  ihm  eine  militärische  Wichtigkeit  gaben.  Man
darf  also  hier  einen  militärischen  Posten  und  neben  diesem,  in

1  Piliwein,  Traunkreis,  S.  118,  119,  führt  aus  der  Umgebung  von  Spital
und  Windischgarsten  allein  13  grösserere  und  kleinere  Teiche  mit  Namen  auf.
            
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