Skip to main content Jump to sidebar

Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 71. Band, (Jahrgang 1872)

360

K  en  u  er.

wie  überhaupt  im  norischen  Hochgebirgslande  so  durchaus  unrömisch, ­
  dass  man  auch  den  Namen  Tutatio  auf  eine  keltische
Wurzel  zurückführen  muss.  Die  Aehnlichkeit  mit  dem  lateinischen ­
  Ausdrucke  tutatio  ist  nur  eine  zufällige.  Denn  dieser  ist  im
guten  Latein  gar  nicht  gebräuchlich,  er  erscheint  erst  bei  einem
spätem  Schriftsteller,  der  überdies  afrikanisches  Latein  schrieb  ; 1
auch  bezeichnet  er  einen  abstracten  Begriff,  die  Beschützung  als
Handlung,  nicht  wie  man  vermuthen  könnte,  ein  Festungswerk,
nach  welchem  der  Ort  etwa  so  hätte  genannt  werden  können.
Für  diesen  Begriff  bestehen  vielmehr  durchaus  andere  Ausdrücke. ­

Nun  befindet  sich  zu  Seckau  in  Steiermark  ein  Inschriftstein, ­
  der  eine  Collectivwidmung  an  den  Mars  und  mehrere
keltische  Gottheiten  enthält;  diese  sind  Latobius,  Jarmogius
Toutates,  Inatimus  und  Cetius. 2  Toutates  ist  ohne  Zweifel
identisch  mit  Toutates,  dem  Hauptgotte  der  gallischen  Kelten,
dessen  Lucanus 3  und  Lactantius 4  erwähnen,  ein  finsterer
grässlicher  Gott,  welchem  Menschenopfer  dargebracht  wurden.
Wie  der  namenverwandte  Tut  oder  Tehuti  oder  Toth  der
Aegypter  5  war  er  dem  Mercurius  sehr  ähnlich.  Ja  Caesar 6
nennt  ihn  geradezu  Mercurius  und  führt  folgende  Characterziige
  seines  Wesens  an:  er  gelte  den  Galliern  als  Erfinder
aller  Künste,  als  Geleitsmann  auf  Wegen  und  Strassen,  er  habe
den  grössten  Einfluss  auf  Geldgewinn  und  Handelsgeschäfte.
Etwas  Aehnliches  treffen  wir  bei  den  Germanen;  jener  Gott,
den  Tacitus 7  als  Mercurius  bezeichnet,  ward  gleichfalls  mit
Menschenopfern  geehrt.
Teutates  oder  Toutates  war  also  der  keltische  Schutzgott
der  Reisenden  und  Handelsleute.  Wenn  sich  nun  an  der  vor-1

  Julius  Firmicius  IV,  7.  Er  lebte  im  IV.  Jahrh.  Vgl.  über  ihn  Bernhardy,
Köm.  Literaturgeschichte  S.  738.
2  R.  Knabl  in  den  Mittheilungen  des  liistor.  Ver.  f.  Steiermark  1864
S.  122.
3  I.  445.
4  I.  21.
6  Auf  diese  Analogie  hat  mich  Herr  Dr.  Ernst  R.  v.  Bergmann  aufmerksam
gemacht.
3  de  bell.  Gail.  VI,  17.
7  German,  c.  9.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.