Heber eine griechische Inschrift aus Erythrae.
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Lesbos waren die Jonier, welche zu den einheimischen Pelasg'ern
schon zwei Menschenalter vor dem trojanischen Kriege
unter Führung des Makareus gekommen sein sollen; 130 Jahre
nach dem Kriege Hessen sich Aeolier nieder und vermischten
sich mit den Joniern, der Aeolier Graos oder Penthilos vermählte
sich mit des Makareus Tochter Methymna. 1 ) Daher
konnte auch die aeolische Stadt Mytilene jene der Erythraeer,
eine der zwölf kleinasiatischen Hauptstädte, die jonischen Ursprung’s
war, als stammverwandt bezeichnen.
Die sonstigen freundschaftlichen Beziehungen, welche
Erythrae durch Vorsorge für die Interessen der Mytilenaeer
nährte, sind wahrscheinlich auf commerciellem Gebiete zu
suchen.
Weiter erfahren wir aus der Motivierung der Anträge,
dass die beizulegenden Streitigkeiten privater Natur waren.
Sie werden 5(xat genannt (Z. 24, 30), was im Gegensätze zu
ypaoai d. i. zu den schriftlich einzubringenden Klagen in
Staatsprocessen, die mündliche Privatklage bezeichnet. Auch
könnte sonst nicht davon die Rede sein, dass die Richter durch
ihr kluges Benehmen bei mehreren Parteien einen friedlichen
Vergleich herbeigeführt haben. Ein anderer Punct, welcher der
Beachtung werth erscheint, ist der Umstand, dass nach Z. 31
die Mitglieder des fremden Gerichtshofes der von Seite der
Erythraeer abgeordnet wurde, nicht durch Ernennung etwa
des Rathes, sondern durch Volkswahl bestellt wurden; es folgt
daraus, dass auch bei den Erythraeern das Anliegen der Mytilenaeer
Gegenstand einer Volksversammlung war.
Mit der Ausführung des Volksbeschlusses werden verschiedene
Persönlichkeiten betraut. Zunächst sind die Basileus
und die Prytanen genannt. Auffallend ist die Mehrzahl ßamkea?:
während sonst namentlich in Athen nur ein Archon, der dem
Cultus Vorstand, diesen Titel führte, scheint nach unserer
Inschrift Mytilene mehrere Vorsteher des Cultus gehabt zu haben.
Allerdings lässt sich denken, dass die Schreibung BA2TAEA2
auf einem Versehen des Steinmetzen (statt BA2IAEA) beruhe,
d. h. dass auch in Mytilene nur ein Archon Basileus bestand,
1 Schol. zu Pindar Nem. XIII 43. — Thetzes ad Lycophr. 1374. Vgl.
Pauly Real-Enc-ycl. IV 938.
Sitzln d. pliil.-hist. CI. LXXI. Bd. n. Hft
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