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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 71. Band, (Jahrgang 1872)

Ueber  eine  griechische  Inschrift  ans  Erythrae.

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mit  dem  Worte  Sachverständiger*  oder,  um  einigermassen
der  Bedeutung  des  griechischen  Wortes  treu  zu  bleiben,  mit
dem  Ausdruck  ,Einführer  oder  Agent  der  Richter*  bezeichnet
werden  können.  Er  musste  nicht  blos  Geschäftskenntniss,
sondern  im  Allgemeinen  praktische  Erfahrungen  haben,  sich
unverdrossen  der  Bemühung  unterziehen,  von  dem  Thatsächlichen
  aus  eigener  Anschauung  Kenntniss  zu  erlangen,  und
nebenbei  eine  Vertrauensperson  sein.  Um  so  auffallender
ist  es,  dass  man  in  anderen  analogen  Inschriften  diesen
Mann  nicht  genannt  findet;  möglicher  Weise  liegt  der  Grund
darin,  dass  er  nur  in  seltenen  Fällen  von  der  aushelfenden
Gemeinde  dem  von  ihr  entsendeten  Gerichtshöfe  beigegeben,
vielmehr  von  der  bittenden  Gemeinde  gestellt  wurde,  in  welchem ­
  Falle  er  dann  nicht  in  den  bezüglichen  Volksbeschlüssen
genannt  werden  konnte,  da  sich  diese  ja  nur  mit  dem  fremden
Gerichtshöfe  beschäftigten  —  oder,  was  vielleicht  noch  öfter
der  Fall  war,  dass  man  seine  Dienste  in  die  Thätigkeit  der
Richter  einbezog  und  einer  speciellen  Auszeichnung  nicht
würdigte;  wieder  in  anderen  Fällen  mag  ein  ypapp.aTSÜc  seine
Functionen  verrichtet  haben,  ohne  den  besonderen  Titel  Dikastagog
  zu  führen.
Die  Auszeichnungen,  welche  beantragt  und  beschlossen
werden,  sind  zweifacher  Art,  solche,  die  allen  Mitgliedern  des
Gerichtshofes  und  solche,  die  nur  den  Richtern  zuerkannt
wurden.  Die  erstem  sind  Belobungsdecrete,  Ertheilung  von
Kränzen  und  Speisung  im  Prytaneion.  Auch  in  diesen  gemeinsamen ­
  Auszeichnungen  werden  verschiedene  Abstufungen
anzunehmen  sein.  Die  Belobungen  der  Richter  waren  gewiss
mit  andern,  ehrenvolleren  Ausdrücken  abgefasst,  als  jene
des  Schreibers  und  des  Dikastagogen. 1  Ebenso  werden  die
goldenen  Kränze  sowol  durch  das  Gewicht,  als  auch  in  der
äusseren  Form  nach  dem  Grade  der  geleisteten  Dienste  verschieden ­
  gewesen  sein.  Sie  sind  als  ein  in  zarter  Weise  dargereichtes ­
  Honorar  zu  betrachten,  vielleicht  auch  als  Ersatz

1  Es  lässt  sich  aus  der  Analogie  schliessen,  welche  in  dem  von  den  Peltenern
  den  Antandriern  gewidmeten  Stein  enthalten  ist  (C.  I.  Gr.  II.  p.
1128,  3568  f.).  Da  erhält  der  Richter  eine  Erzstatue,  der  Schreiber
wird  nur  mit  s'uuivi  ypairrr)  ausgezeichnet.
            
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