Über griechische Grabreliefs.
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dem Wesen nach bereits mehr als malerische Darstellung freier
Figuren und Surrogat für statuarische Darstellung zu fassen,
sind zwei junge Leute verschiedenen Alters dargestellt. Beide,
mit Unter- und Obergewand bekleidet, der Aeltere mit einer
in der linken Hand sichtbaren Rolle, ausserdem baarfuss,
während der Jüngere Schuhe trägt, reichen sich die Hände
vor der Grabstele mit der Sirene, welche hier einmal wieder
die Kithara spielt. Zwei kleine Knaben im kurzen Chiton,
Diener, begleiten die beiden Hauptfiguren, wie so häufig, der
eine in trauernder Stellung, der andere zu seinem Herrn aufblickend.
Hier sei die kurze Bemerkung erlaubt, dass, wenn man
nach den Vorbildern fragt, aus denen der Bildhauer Menelaos
seine schöne studirte Gruppe, die heute in Villa Ludovisi
steht, 1 entwickelt hat, eine Sepulkralgruppe wie diese sich
zu allernächst als Antwort bietet.
Ich kehre noch ein Mal zu den beiden Abbildungen einer
Grabstele mit dem Aufsatze einer Sirenenfigur neben den Figuren
Verstorbener, welche die Reliefs zu Verona und zu Wiltonliouse
bieten, zurück. Aus Reisenotizen, deren Einsicht mir
Carl Curtius freundlich gestattete, ist mir noch ein drittes Beispiel
der Art bekannt geworden. Es findet sich auf einem
Grabsteine aus Kyzikos, welcher der Calvertschen Sammlung
an den Dardanellen angehört. Auf mein Ansuchen hat auch
der Besitzer dieses Stücks mir eine Photographie zukommen
lassen, aus der ich wenigstens die Figur der Sirene für die
beigegebene Tafel 2 habe entlehnen können. Das ganze Relief
muss sehr stark durch langes Liegen im Freien oder gar im
Wasser gelitten haben, so dass die Photographie allein manche
Formen nicht genügend erkennen lässt. Ich gebe desshalb
nicht die Abbildung des Ganzen und auch nur eine summarische
Beschreibung.
Gelblicher Marmor. 0,78 M. hoch, 0,62 M. breit. Die
Platte viereckig ohne Giebel oder Akroterion. Im Relief sind
1 Kekule die Gruppe des Künstlers Menelaos in Villa Ludovisi. Leipzig 1870.
2 Taf. II, 2.