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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 71. Band, (Jahrgang 1872)

Über  griechische  Grabreliefs.

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dem  Wesen  nach  bereits  mehr  als  malerische  Darstellung  freier
Figuren  und  Surrogat  für  statuarische  Darstellung  zu  fassen,
sind  zwei  junge  Leute  verschiedenen  Alters  dargestellt.  Beide,
mit  Unter-  und  Obergewand  bekleidet,  der  Aeltere  mit  einer
in  der  linken  Hand  sichtbaren  Rolle,  ausserdem  baarfuss,
während  der  Jüngere  Schuhe  trägt,  reichen  sich  die  Hände
vor  der  Grabstele  mit  der  Sirene,  welche  hier  einmal  wieder
die  Kithara  spielt.  Zwei  kleine  Knaben  im  kurzen  Chiton,
Diener,  begleiten  die  beiden  Hauptfiguren,  wie  so  häufig,  der
eine  in  trauernder  Stellung,  der  andere  zu  seinem  Herrn  aufblickend. ­

Hier  sei  die  kurze  Bemerkung  erlaubt,  dass,  wenn  man
nach  den  Vorbildern  fragt,  aus  denen  der  Bildhauer  Menelaos
seine  schöne  studirte  Gruppe,  die  heute  in  Villa  Ludovisi
steht,  1  entwickelt  hat,  eine  Sepulkralgruppe  wie  diese  sich
zu  allernächst  als  Antwort  bietet.
Ich  kehre  noch  ein  Mal  zu  den  beiden  Abbildungen  einer
Grabstele  mit  dem  Aufsatze  einer  Sirenenfigur  neben  den  Figuren ­
  Verstorbener,  welche  die  Reliefs  zu  Verona  und  zu  Wiltonliouse
  bieten,  zurück.  Aus  Reisenotizen,  deren  Einsicht  mir
Carl  Curtius  freundlich  gestattete,  ist  mir  noch  ein  drittes  Beispiel ­
  der  Art  bekannt  geworden.  Es  findet  sich  auf  einem
Grabsteine  aus  Kyzikos,  welcher  der  Calvertschen  Sammlung
an  den  Dardanellen  angehört.  Auf  mein  Ansuchen  hat  auch
der  Besitzer  dieses  Stücks  mir  eine  Photographie  zukommen
lassen,  aus  der  ich  wenigstens  die  Figur  der  Sirene  für  die
beigegebene  Tafel  2  habe  entlehnen  können.  Das  ganze  Relief
muss  sehr  stark  durch  langes  Liegen  im  Freien  oder  gar  im
Wasser  gelitten  haben,  so  dass  die  Photographie  allein  manche
Formen  nicht  genügend  erkennen  lässt.  Ich  gebe  desshalb
nicht  die  Abbildung  des  Ganzen  und  auch  nur  eine  summarische
Beschreibung.
Gelblicher  Marmor.  0,78  M.  hoch,  0,62  M.  breit.  Die
Platte  viereckig  ohne  Giebel  oder  Akroterion.  Im  Relief  sind

1  Kekule  die  Gruppe  des  Künstlers  Menelaos  in  Villa  Ludovisi.  Leipzig  1870.
2  Taf.  II,  2.
            
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