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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 71. Band, (Jahrgang 1872)

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C  o  n  z  e.

der  durch  die  bekannte  Darstellung  des  Todten  beim  Mahle
veranlasste  Einfall  auf  ein  anderes  Relief  derselben  Sammlung
das  Fragment  eines  Trinkliedes  der  Sappho  aus  Athenaeus  mit
Haut  und  Haaren  hinzuschreiben,  fanden  seit  Maffeis  Kritik
nie  wieder  einen  Vertheidiger  ihrer  Echtheit.  Den  ebenfalls
von  Maffei  verurtheilten  Inschriften  eines  andern  Veroneser
Grabsteins 1  wollte  dagegen  Boeckh 2  ausdrücklich  bessern  Glauben ­
  schenken;  Angesichts  des  Steines  selbst  hätte  er  es  gewiss
nicht  gethan.  Ich  versuchte  schon  vor  Jahren 3  mit  einem
neuen  Grunde,  hergenommen  von  der  Inkongruenz  eines  Stücks
der  Inschrift  mit  der  bildlichen  Darstellung,  Maffeis  Urtheil  zu
Ehren  zu  bringen  und  damit  zugleich  eine  neue  Thatsache  für
unsre  Kenntniss  des  figürlichen  Theils  der  griechischen  Grabmäler
  zu  gewinnen.
Ich  behauptete  nämlich,  die  Aufschrift  ''Epio-u.  supxv[üp,  wie
sie  auf  dem  Pfeiler  in  der  Reliefdarstellung'  neben  der  Figur
der  Verstorbenen  angebracht  ist,  sei,  abgesehen  von  ihrem  allerdings ­
  nur  gegenüber  dem  Originale  nicht  zu  verkennenden
graphischen  Charakter,  abgesehen  von  der  anstössigen  Abkürzung, ­
  deshalb  namentlich  recht  erweislich  falsch,  w T eil  sie  eine
unrichtige  Deutung  der  kleinen  geflügelten  Figur  auf  dem  Pfeiler
enthalte.  Dieses  Figürchen  werde  in  der  Inschrift  Eros  Uranios
  genannt, 4  stelle  dagegen,  was  der  Fälscher  der  Inschrift
also  nicht  verstanden  habe,  trotz  der  Verwitterung  unverkennbar, ­
  eine  Sirene  vor.  Der  Pfeiler  mit  der  Sirene  darauf  sei
das  Grabmal.  Ich  konnte  mich  damals  nur  darauf  berufen,
dass  auf  den  jüngeren  griechischen  Grabreliefs,  zu  denen  das
Veroneser  gehört,  mehrfach  neben  den  Figuren  der  Verstorbenen ­
  das  Bild  des  Grabmals  vorkomme,  in  ähnlicher  Weise,  wie
ja  auf  römischen  Sarkophagen  die  Verstorbenen  wohl  vor  der
Grabes-  und  damit  Unterweltsthür  stehend  dargestellt  werden,
konnte  weiter  das  Bekannte  anführen,  dass  eine  Stele  mit  einer

1  n.  570.  Maffei  museo  Verein,  pag.  XLVII,  5.  LV,  5.
2  C.  J.  gr.  II,  n.  3157.
3  Philologus  XVII,  S.  549  ft'.
4  Darauf  hin  in  Miiller-Wieselers  Denkrn.  der  alten  Kunst  II,  n.  704  aufgenommen. ­

            
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