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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 71. Band, (Jahrgang 1872)

Über  griechische  Grabreliefs.

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Beschauer  liegt  der  Todte  mit  nacktem  Oberleibe,  auf  den
linken  Ellenbogen  gestützt,  auf  einer  Kline,  in  der  Rechten
hält  er  über  den  Schooss  hin  eine  Schale.  Vor  der  Kline  steht
der  Tisch  mit  Speisen,  unter  ihm  ist  eine  vorn  vor  der  Kline
herabhängende  Draperie  sichtbar;  vor  dem  Tische  hebt  sich
die  Schlange  empor.  Rechts  steht  der  Knabe  Weinschenk  neben
einem  grossen  Krater,  links  sitzt  mit  einem  Schemel  unter  den
Füssen  die  Gattin  des  Verstorbenen.  Sie  hält  in  der  linken
Hand  vermuthlich  ein  Kästchen.  Alles  das  sind  die  bekannten,
hundert  Mal  vorkommenden  Dinge.  Auch  die  oben  wie  aufgehängt ­
  angebrachten  Gegenstände,  von  rechts  nach  links  auf
einander  folgend:  Schwert,  Panzer  und  Gewand,  gehören  noch
dem  alten  echten,  aber  freilich  nicht  sehr  merkwürdigen  Bildwerke ­
  an.  Diesem  Mangel  an  Absonderlichkeit  hat  ein  Fälscher
in  kühnster  Weise  abgeholfen.  Zunächst  entfernte  er  die,  wie
wir  sehen  •werden,  vielleicht  etwas  zerstörten  Köpfe  des  Mannes
und  der  Frau  ganz  und  setzte  mit  scharfem  Schnitte  am  Halse
jeder  von  beiden  Figuren  statt  ihres  einfachen  Kopfes  einen
Doppelkopf,  eine  Janusbildung,  auf.  Der  bärtige  des  Mannes,
obendrein  mit  einer  grossen  Krone  versehen,  ist  noch  heute
vorhanden,  der  der  Frau  hingegen  ist  wieder  abgefallen  und
verloren.  Dass  auch  sie  wirklich  einen  Doppelkopf  erhalten  hatte,
sieht  man  noch  deutlich  an  der  Zurichtung  des  Hintergrundes
zur  Aufnahme  der  breiten  Masse  mit  zwei  Gesichtern.  In  das
Innere  der  Trinkschale  des  Mannes  wurde  noch  ein  Kopf  hineingemeisselt
  imd  auch  dem,  was  ursprünglich  ein  Kästchen
gewesen  seih  wird,  in  der  Hand  der  Frau  eine  maskenähnliche
Form  gegeben.  Die  auf  dem  obern  Architravstreifen  entlang
stehende  Inschrift  macht  es  möglich,  die  Geschichte  des  Reliefs
noch  etwas  weiter  rückwärts  zu  verfolgen.  Ohne  sie  würde
man  schwerlich  darauf  kommen,  dass  das  jetzt  Triestiner  Relief
der  Abbildung  bei  Caylus  '  im  Recueil  d’antiquites  Tome  VI.
pl.  XV,  I  zu  Grunde  liege.  Diese  Abbildung  rührt  aus
Fourmonts  -Papieren  her  und  zwar  nlit  der  Ortsangabe:
,Athenis  in  ecclesia  Sancti  EliaeJ 2  Die  Inschrift  hat  nach

1  Taf.  X.  2.
2  Aug.  Mommsen  Athenae  chriatianae  S.  86,  n.  102.
Sitab.  d."  pliL-hist.  CI.  LXSX  Bd.  II.  Hft.

•21
            
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