Eutropius und Paulus Diaconus.
233
kritischen Geschäft kaum zu entbehrende Regulative, indem
man bei einem von Irrthümern aller Art strotzenden Schriftsteller
wie Eutropius sich nur zu oft zu emendiren versucht
fühlt, was aus seiner Hand hervorging und nicht angetastet
werden darf, ein Grundsatz, den Verheyk bereits aussprach
,neque scriptorem emendari existimo, si loquentem inducamus,
ut loqui debuisset, sed uti loquutus est‘, aber besser erkannte
als durchführte. Diese Zeugnisse entscheiden aber auch die
Frage nach dem Werth der beiden Recensionen, jener welche
der Fuldensis vertritt und der Paulinischen, zu Gunsten der
ersten mit solcher Bestimmtheit, dass ein eklektisches Schwanken,
wie es von den Ausgaben bisher in Folge mangelnder
Einsicht in die Ueber]ieferüng beliebt wurde, für immer wohl abgcthan
sein dürfte. Bevor wir diese Behauptungen näher ausführen,
muss von den griechischen Uebersetzungen geredet werden.
Das Breviarium des Eutropius, welches dem Kaiser Valens
dedicirt und um 369 n. Chr. abgefasst ist, wurde wenige Jahre
später von dem syrischen Griecften Paeanius in’s Griechische
übertragen. Eine "Stelle der Uebersetzung IX, 15, 6 (= Eutr.
IX 25) bietet, wie bereits Sylburg erkannte, darüber Gewissheit,
indem es dort von dem Perserkönig Narseus heisst:
tcxxtco? Ss •/)'/ oüto; Zaiwopt ts y.at ‘OppiaSa toi? si? tv)v rjp.STSpav -ffKr/da')
äipoiopivotc; denn dieser Sapor starb um 379 in hohem Alter
(vergl. Clinton Fasti Rom. II 260). Wir haben es also mit
demselben Paeanius zu thun, der uns als ein Schüler des
Libanius und Acacius, welche 354 und 355 n. Chr. zusammen
in Antiochia lehrten (vgl. Sievers, Leben des Libanius, Berlin
1868 S. 276), und durch die Briefe des Libanius in seinen
weiteren Schicksalen bekannt ist (vgl. E. Schulze, De Paeanio
Eutropii interprete im Phil. XXIX 286 ff.). Darauf dass diese
Uebersetzung von einem Asiaten für Asiaten, denen bei der
damals selbst bei Männern wie Libanius herrschenden Unkenntniss
der lateinischen Sprache und römischen Verhältnisse
ein solches Handbuch nicht unwillkommen sein mochte, gemacht
wurde, weisen noch deutliche Spuren hin (Schulze a. a. 0.
287, 296). Da wir über die Lebensverhältnisse des Eutropius
nicht näher unterrichtet sind, müssen wir die Frage offen
lassen, ob nicht er selbst vielleicht diese veranlasst. Ihr Text
wurde zuerst von Sylburg 1590 aus einer Handschrift des