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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 71. Band, (Jahrgang 1872)

Ein  mutazilitischer  Kalä-m.

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blicken.  Hätten  sie  nicht  diese  vernünftige  Grundlage,  dann
wäre  nicht  einzusehen,  warum  Gott  sie  angeordnet  haben  sollte.
Nachdem  uns  Gott  Vernunft  zur  Erkenntniss  seines  Wesens
gegeben  und  durch  des  Propheten  Mund  seine  Wahrheit  uns
verkündet  hat,  ist  er  verpflichtet,  demjenigen,  der  ihn  erkannt
und  ihm  gedient  hat,  dies  zu  vergelten  durch  ewigen  Lohn  im
Jenseits,  und  den  Ungläubigen  im  Jenseits  für  die  Ewigkeit  zu
strafen.  Hat  Jemand  Verdienste  und  Vergehungen,  so  werden
diese  gegen  einander  abgewogen  1 ).  Bereut  der  Sünder  seine
Vergehungen,  dann  ist  Gott  verpflichtet,  seine  Reue  wohlgefällig ­
  anzunehmen  und  die  jenseitige  Strafe  fallen  zu  lassen.
An  die  Reue  aber  muss  auch  die  Umkehr  vom  Bösen  Um  der
Bosheit  willen  geknüpft  sein.  Gott  darf  den  Frommen  fortleben ­
  lassen,  selbst  wenn  Gefahr  droht,  dass  dieser  ungläubig
würde.  Ob  er  den  Ungläubigen  vom  Leben  abberufen  dürfe,
wenn  er  weiss,  dass  dieser  in  späteren  Jahren  Reue  empfinden
würde,  darüber  gehen  die  Meinungen  auseinander.  Unser  Autor
meint,  Gott  dürfe  es.  Darum  ist  es  gerathen,  stets  die  Nähe
des  Todes  zu  fürchten.
Es  folgen  einige  Bemerkungen  über  die  Möglichkeit  dessen,
dass  Gott  die  Lebensdauer  des  Frommen  verlängere.  Endlich
wird  noch  das  Eingreifen  Gottes  in  das  commercielle  Leben
besprochen.  Der  Verstand  billigt  am  meisten  denjenigen  Erwerb, ­
  der  auf  Kauf  oder  Schenkung  beruht.  Daneben  hat
das  geoffenbarte  Gesetz  noch  einige  Erwerbsarten  gestattet.
Was  aber  darüber  hinausgeht,  ist  Unrecht.  Der  Kaufpreis  des
Productes  verändert  sich.  Diese  Veränderungen  werden  theils
von  uns  selber,  theils  von  Gott  bewirkt.  Vortheilbringend  ist
die  von  Menschen  veranlasste  Preissteigerung,  wenn  eine  starke
Ausfuhr  ist,  nachtheilig,  wenn  durch  menschliche  Tücke  —
durch  den  Uebermuth  der  Beduinen  schwärme 2 )  —  eine  Noth
eingetreten.  Gott  leitet  den  Wechsel  der  Temperatur,  der  auf
das  Gedeihen  der  Saaten,  also  auch  auf  deren  Preis  von  bedeutendem ­
  Einflüsse  sein  kann.

1  Ibicl.  p.  274.  Unser  Autor  lässt  es  nicht  deutlich  merken,  ob  er  die  Waage
im  wörtlichen  oder  figürlichen  Sinne  nahm.
2  jnn  unsn  rwa  iöd
            
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