Skip to main content Jump to sidebar

Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 71. Band, (Jahrgang 1872)

Ein  mutaziliti8cher  Kaläm.

213

Existenz  überhaupt').  Ihre  Meinung-,  dass  die  Freiheit  des
Ungläubigen,  sowohl  gläubig,  wie  ungläubig  zu  sein,  nothwendig
die  Unkenntniss  Gottes  als  Consequenz  nach  sich  ziehe,  ist
unrichtig;  depn  man  dai-f  nie  das  Gewisse  vom  Ungewissen
abhängig  machen,  und  das  Sichere  vom  Schwankenden  in
Frage  stellen  lassen.  Wir  haben  aber  früher  bewiesen,  und
es  steht  für  uns  unumstösslich  fest,  dass  Gott  seinem  Wesen
nach  wissend  sei.  Ihr  Einwand  nun,  dass,  wenn  der  Ungläubige
gläubig  geworden  wäre,  Gottes  Wissen  eine  Modification  erfahren ­
  hätte,  ist  ganz  frucht-  und  sinnlos;  weil  es  eben  unstatthaft ­
  ist,  Sicheres  von  Unsicherem  abhängig  zu  machen.
Die  Sache  verhält  sich  so:  Gott  weiss,  dass  der  Ungläubige
nicht  glauben  werde.  Wäre  er  aber  gläubig  geworden,  wie  es
ihm  ja  freistand,  dann  wäre  es  unstatthaft  gewesen,  zu  sagen,
Gott  habe  gewusst,  dass  er  nicht  glauben  werde,  weil  er  ja
dann  das  Unrichtige  früher  gewusst  hätte,  und  diejenigen  Recht,
hätten,  welche  behaupten,  Gottes  Wissen  werde  nach  dem  wirklichen ­
  Geschehen  modifieirt;  noch  auch  könnten  wir  in  jenem
Falle  sagen,  Gott  habe  es  nicht  gewusst,  weil  ja  dann  das  erwiesene ­
  Prädicat  des  Wissens  erschüttert  würde.  Es  ist  daher
nothwendig,  dass  wir  uns  in  dieser  Sache  jeder  Antwort  überhaupt ­
  enthalten;  ebenso  wie  wir  demjenigen  nicht  antworten
würden,  der  uns  betreffs  des  scheinbaren  Unrechts,  welches  wir
in  Gottes  Gebahren  zu  bemerken  glauben,  fragte,  ob  dies
Gottes  Abhängigkeit  oder  Unwissenheit  beweise  oder  nicht;
weil  eben  durch  unerschütterliche  Beweise  fest  steht,  dass  Gott
seinem  Wesen  nach  wissend  und  unabhängig  ist.  Wie  wir  nun
ohne  Bedenken  behaupten,  Gott  vermöge  zwar  Böses  zu  üben,
übe  es  aber  niemals,  wohl  aber  Bedenken  tragen  zu  entscheiden,
ob  ein  Act  wirklicher  Gewalt,  von  Seiten  Gottes  geübt,  seine
Unwissenheit  oder  Abhängigkeit  beweisen  würde,  oder  nicht:
ebenso  behaupten  wir  lieber  und  mit  geringerer  Scheu,  der
Mensch  handle  nach  freier  Wahl,  obgleich  Gott  weiss,  dass  er
so  und  nicht  anders  handeln  werde,  als  dass  wir  sagten,  wenn
der  Ungläubige  geglaubt  hätte  —  dass  dann  Gott  es  mit  Noth-Etwas

  ausführlicher  und  mit  mehr  logischer  Kraft  entwickelt  Aaron  b.
Elia  die  Ansicht  der  Pflbmä  im  83.  Cap.  des  Ez  Chajim.  Er  hat  wohl
keine  weitere  Quelle  gehabt,  als  unsem  Autor,  diesen  aber  logisch  ergänzt.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.