Skip to main content Jump to sidebar

Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 71. Band, (Jahrgang 1872)

210

Frankl.

der  Stadt  ihm  den  Finger  abgehauen,  so  wird  er  ihm  die  That
zuschreiben  und  als  Grund  davon  angeben:  ,Weil  mich  Einige
bei  ihm  angeschwärzt  haben,  und  er  ihren  Lügen  Glauben
schenkte/  Dies  zeigt,  dass  den  Menschen  wohl  Handlungen
zukommen,  und  darum  haben  wir  behauptet,  die  Gahmija
leugne  offenkundige  Dinge.  Aber  auch  al-Asari  gleicht  ihnen
in  dieser  Hinsicht,  wenn  er  unsere  unmittelbaren  Handlungen
uns  in  einer  Weise  zuschreibt,  die  für  den  Verstand  gar  nicht
fasslich  ist  und  die  er  ,Verdienstlichkeit 1  =  rrn  ]  nennt;
unsere  mittelbaren  Handlungen  aber  ohne  Weiteres
Gott  zuschreibt.
Unter  Anderem  hält  unser  Autor  dem  al-Asari  entgegen,
dass  er  gar  nicht  berechtigt  sei,  aus  der  Schöpfung  auf  den
Schöpfer  zu  schliessen.  Ergab  sich  doch  der  Schluss  aus  dem
Werke  auf  die  Macht  des  Meisters  und  aus  der  Vollkommenheit ­
  des  Werkes  auf  die  Gerechtigkeit  und  Kenntniss  des  Meisters ­
  aus  der  analogen  Erfahrung,  die  wir  aus  dem  Verhältnisse ­
  unserer  Handlungen  zu  uns  geschöpft  hatten.  1  Sagen  wir
aber,  unsere  Handlungen  hingen  nicht  von  uns,  ihren  offenkundigen ­
  Thätern  und  Vollbringern  ab,  sondern  von  einem
Anderen,  dessen  Einwirkung  sich  jedem  Nachweise  entzieht;
dann  fehlt  uns  jede  Handhabe,  aus  der  Schöpfung  auf  einen
Schöpfer  schliessen  zu  können.
Eine  und  dieselbe  Handlung  kann  nur  von  Einem,  nicht
von  Zweien  zugleich  abhängig  sein.  Zwischen  dem  Mächtigen
und  dem  Gegenstände  seines  Vermögens  herrscht  nämlich  eine
viel  innigere  Beziehung  vor,  als  wie  etwa  zwischen  dem  Wissenden ­
  und  dem  Gegenstände  seines  Wissens,  welcher  Gemeingut ­
  Vieler  sein  kann.
Zweck  der  göttlichen  Sendung  durch  den  Propheten  war,
die  Menschen  auf  eine  so  hohe  Stufe  der  Glückseligkeit  zu
bringen,  wie  sie  ohne  dieselbe  unerreichbar  für  sie  geblieben
wäre.  Er  hat  Allen  die  Offenbarung  in  gleicher  Weise  vorgelegt, ­
  sie  Alle  gleich  sehr  befähigt,  die  Glückseligkeit,  welche
sein  Wort  ausströmt,  in  sich  aufzunehmen.  Der  in  Wirklichkeit ­
  Ungläubige  hatte  ebenso  gut,  wie  der  Gläubige,  die  Macht

1  Vgl.  oben  Seite  187  u.  ff.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.