Ein mutazilitischer Kaläm.
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etwas zu thun oder zu lassen. Diese Fähigkeit nehmen wir
ganz unmittelbar an uns selber wahr. Sie tritt nicht erst im
Zeitpunkte der Handlung selbst zu Tage, sondern muss der
Handlung vorausgegangen sein. Entgegengesetzt ist die Ansicht
der Gabarija, selbst der gemässigten, wie der Schule des
Nagär 1 und der des al-Asari, 2 welche dem Menschen doch ein
gewisses Verdienst bei seinen Handlungen zuerkannten. Für
sie tritt die Fähigkeit, etwas zu thun, im Momente der Handlung
erst ein, und ist des Menschen Fälligkeit keine Freiheit
nach beiden Seiten hin, sondern eine einseitige, gebunden an
Gottes Vorherbestimmung. Gegen die starren Leugner der menschlichen
Willensfreiheit brauchte unser Autor nicht viel anzukämpfen.
Dagegen spricht das unmittelbar menschliche Gefühl zu
laut, als dass man anders, denn gezwungen, sich zu einer allen
unseren Wahrnehmungen Hohn sprechenden Annahme bekennen
könnte. Die Gahmija 3 unter den Gabariten — sagt unser
Autor 4 — leugnen ganz offenkundige Thatsachen und gleichen
darin völlig den Sophisten. Sie zählen nur äusserst wenige
Mitglieder; denn ich habe nicht einen einzigen von ihnen gesehen
auf meiner Reise nach fernen Ländern und Städten. Sie
behaupten, dem Menschen komme gar keine Handlung zu. Sein
Aufstehen, und sein sich Niederlegen gleiche völlig seiner
Länge und Breite, seinem Gesichte, seiner Hautfarbe, denn
Alles das schaffe Gott. Dadurch haben sie Gebot und Verbot,
Lob und Tadel aufgehoben. Wir merken aber, dass selbst die
wenig Verständigen einsehen, dass ihre Handlungen sich auf
sie selber zurückbeziehen. Wenn jemand aus Furcht vor Vergiftung
des Körpers genüthigt war, sich den von der Schlange
gebissenen Finger abzuhauen, so wird er auf die Frage: ,Wer
hat Dir den Finger abgehauenantworten: ,Ich selbst £ ; und
wenn wir weiter fragen: Warum? ,Weil die Schlange mich
gebissen.' Wenn aber der Hauptmann oder der Gouverneur
1 Vgl. äabr. a. a. O. S. 92 u. ff.
2 Vgl. Sahr. a. a. O. S. 102 u. 103 u. Maw. p. 105. Ferner: Vgl. oben
S. 187, Anmerkung 1.
3 Vgl. §abr. a. a. 0. S. 90.
4 Muht. Cap. 33. Vgl. Note XX.
Sitzt, d. phil.-liist. CI. LXXI. Bd. I. Hft.
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