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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 71. Band, (Jahrgang 1872)

Ein  inutazilitischer  Kal  am.

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Gott  Gewalt  übe 7  weil  das  Böse  nur  dann  böse  ist,  wenn  wir
es  üben,  die  wir  geschaffen  sind,  und  an  die  Gottes  Offenbarung ­
  gelangt  ist,  nicht  aber,  wenn  Gott  es  übt,  der  Schöpfer ­
  und  Herrscher  ist,  und  Niemandes  bedarf.  Diese  Methode
führt  nothwendig  zur  Annahme,  dass  auch  die  Lüge  für  Gott
nichts  Böses  sei.  Aber  weil  sie  das  Schwert  (der  Inquisitionsbehörde ­
  ?)  fürchten,  dürfen  sie  dies  nicht  zugeben  und  kommen ­
  mit  Ausflüchten,  die  ihnen  wenig  helfen.  Erzählt  wird
von  einem  Manne,  Namens  Ätija,  1  der  zu  dieser  Secte  gehörte,
dass  er  die  Kühnheit  gehabt  hätte,  zu  behaupten,  dass  in  Wirklichkeit ­
  auch  die  Lüge  für  Gott  möglich  sei;  denn,  so  sagte
er  —  wenn  ich  einem  Knaben  Näschereien  versprochen  habe
und  dann  mein  Versprechen  nicht  erfülle,  so  ist  dies  doch
nicht  schlimmer,  als  wie  wenn  ich  ihn  geschlagen  hätte/' 2 )  Die
meisten  Gabariten  waren  wohl  nicht  so  kühn,  sondern  machten
erzwungene  Unterschiede  zwischen  Lüge  und  Gewalt.  Sie
rechtfertigten  ihr  Verfahren,  indem  sie  sagten,  es  müsse  ein
Unterschied  vorherrschen;  denn,  ,wäre  auch  die  Lüge  für  Gott
möglich,  was  könnte  ihn  dann  uns  als  glaubwürdig  erscheinen
lassen? ( (!)  Andere  sagten,  ,die  Glaubwürdigkeit  der  Offenbarung
sei  auf  Gottes  Wesensprädicat  der  Rede  zurückzuführen/  Aber
selbst  zugegeben  ■—•  was  übrigens  oben  bestritten  und  widerlegt ­
  worden,  —  Gott  sei  seinem  Wesen  nach  ein  Redender,
so  liegt  doch  darin  nicht  auch  zugleich  die  Bürgschaft  dafür,
dass  er  seinem  Wesen  nach  ein  wahr  Redender  sei.  Ferner:
wäre  die  Offenbarung  allein  der  Maassstab  alles  Guten  und
Bösen,  dann  müsste  die  Annahme  richtig  sein,  dass,  wenn  Gott
die  Gebote  verboten  und  die  Verbote  geboten  hätte,  das  Gute
böse  und  das  Böse  gut  geworden  wäre,  und  das  ist  ungereimt.
Endlich:  wenn  die  ethischen  Begriffe  sich  blos  aus  der  Offen-1

  Diesen  identificire  ich  mit  ‘Atija  al-GurgänT  bei  Sahr.  a.  a.  0.  S.  149  u.  ff.,
dem  Freunde  Saibän’s,  von  dem  ja  berichtet  wird,  dass  er  mit  Gahm
ibn  Safwän  bezüglich  des  Gabar  iibereingestimmt  hätte.  Von  der  GahmTja,
  welche  gegen  750  gegründet  winde,  —  vgl.  Kremer  a.  a.  0.  I.
Note  20,  —  erzählt  unser  Autor,  der  wohl  in  der  Hälfte  des  10.  Jahrhunderts ­
  unser  Muht,  schrieb,  er  habe  trotz  seiner  weiten  Reisen  keinen
von  ihnen  gesehen,  sie  müssten  daher  nur  Wenige  sein.  Muht.  Cap.  33.
Vgl.  Note  IX.
2  Vgl.  Note  VIII.
            
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