Skip to main content Jump to sidebar

Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 71. Band, (Jahrgang 1872)

Ein  mutazilitischer  Kalam.

201

und  in  solche,  deren  Ausführungsart  unserer  Willkür  anheimgegeben ­
  ist,  wie  z.  B.  die  Bezahlung  einer  Schuld,  wo  es  uns
freisteht,  diese  oder  jene  Münze  zu  wählen,  wenn  sie  nur  vollwichtig ­
  ist.
Unsere  Absicht  bei  dieser  Eintheilung  der  Handlungen
ist  die  Erklärung  alles  dessen,  was  für  uns  Menschen  betreffs
der  Billigkeit  und  Gerechtigkeit  sich  mit  Nothwendigkeit  ergibt; ­
  denn  die  Männer  des  Isläh  machen  Gott  alles  das  zur
Pflicht,  was  den  Menschenkindern  zum  Frommen  und  zum
Nutzen  gereicht.  In  Wirklichkeit  aber  kann  dies  ihm  nicht  als
pflichtgemäss  zugeschrieben  werden.  Wir  können  aber  Wohlthat
  von  Pflicht  nicht  genügend  sondern,  wenn  wir  nicht  zuvor ­
  diese  Begriffe  klar  erfasst  und  abgegrenzt  haben.  Im  Begriffe ­
  des  Guten  liegt  es,  dass  wir  erkennen,  es  selber  ziehe
uns  an.  Dadurch  fallt  die  Ansicht  derer,  die  behaupten,  das
Gute  sowohl,  wie  das  Bose  werde  von  uns  Menschen  nur  wegen ­
  des  zu  erzielenden  Vortheiles  wegen,  oder  um  der  Abwehr
von  Schmerzen  willen  geübt.  Daraus  ergäbe  sich  die  Consequenz,
  dass  Gott’  dann  weder  das  Gute  noch  das  Böse  üben
dürfte,  weil  er  durch  Nichts  in  Vortheil  oder  Nachtheil  gerathen
  kann;  oder,  dass,  wenn  er  sie  übte,  die  Principien  göttlichen ­
  Waltens  anders  geartet  sein  müssten,  als  die  menschlichen ­
  Handelns.  Wir  erkennen  aber  einen  tiefgehenden
Unterschied  zwischen  der  Natur  des  Bösen  und  der  Natur  des
Guten.  Und  darum  mussten  wir  erklären,  dass  das  Böse
schlechthin  frei  und  haar  sei  von  allem  Guten,  also  in  ihm
selbst  keinerlei  Anziehungskraft  für  uns  ruhen  könne  und  dass
nur  Bedürfniss  u.  dgl.  uns  zu  dessen  Uebung  veranlassen  können. ­
  Fällt  aber  diese  Veranlassung,  dann  enthalten  wir  uns
auch  des  Bösen,  weil  es  uns  nicht  anzieht.  Das  Gute  aber
zieht  uns  durch  sich  selbst  an,  auch  wenn  kein  Bedürfniss
uns  dazu  treibt.  Zu  diesem  Zwecke  haben  wir  der  Untersuchung ­
  dies  Capitel  vorausgeschickt.  Aber  auch  die  Natur
des  Bösen  bedarf  der  Besprechung  wegen  der  Gabariten,  weil
sie  behaupten,  Gott  übe  Gewalt,  ohne  dass  dies  für  ihn  etwas
Böses  sei.  Ist  aber  erwiesen,  dass  Acte  der  Gewalt,  von  uns
Menschen  verübt,  böse  sind,  dann  hören  sie  auch  nicht  auf
dies  zu  sein,  wenn  Gott  sie  verübt.  Wisse,  das  Böse  lässt  sich
nicht  wieder  in  Theile  zerlegen,  wie  das  Gute,  wenn  auch  ein
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.