Ein mutazilitischer Kalara.
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Aus denselben Gründen, die uns nöthigten, Gott als einigeinziges
Wesen zu denken, müssen wir auch die Ewigkeit des
göttlichen Wortes zurückweisen. Zudem wäre ja Ewigkeit mit
dem Begriffe und dem Zwecke der Rede gar nicht vereinbar.
Gott redet vielmehr durch ein Wort, das er schafft, ohne dessen
Träger zu sein. Dadurch kommt Gott kein neues Prädicat
zu, sondern in dem Prädicate der Allmacht, welches Gottes
Wesen beigelegt wurde, liegt auch das., dass er, wenn er
will, auf uns so einwirkt und uns sich so verständlich macht,
wie der Mensch durch seine Rede es thut.
Damit ist im Compendium der erste Theil zu Ende. Im
Muhtawi hingegen scliliesst der erste Theil mit dem Capitel
über den göttlichen Willen ab. ,Einige — so beginnt unser
Autor — leugnen die Prädicirbarkeit des Willens, indem sie
unter dem Ausdrucke ,Gott ist ein Wollender' nichts weiter
verstanden wissen wollen, als dass seine AVerke seinem AAhssen
gemäss ausfallend ,Und wie sie Empfindung mit Wissen identificiren,
also thun sie es auch mit dem Willen. Aber, ebenso
wie wir ihnen dort entgegen treten mussten, weil wir darin
ein neues Prädicat erblickten, müssen wir es auch hier. 1 Gott
ist ein AA'ollender, weil die Schöpfung Spuren des freien AVillens
verräth. Es wird nun indirect — durch Ausschluss aller
übrigen Annahmen, bewiesen, dass Gott wegen eines geschafwerden.
Die Lebhaftigkeit, mit der Joseph für die Theorie Abu-HÄsim’s
eintritt, zeigt, dass er der Bahsamija nahe stand. Auf die Zustands-Theorie
selbst wirft sie gleichfalls ein neues Licht. Sie wird uns daraus klarer,
als aus den Berichten Sahr. a. a. O. 83. u. ff. 99 u. ff. Sie bestätigt
Munk und Steiner’s Vermuthnng, dass die JU = Theorie aus dem
Streben hervorgegangen sei, die Einheit des göttlichen Wesens nebst der
Vielheit seiner Eigenschaften philosophisch zu begründen, dass also ihr
Zweck zunächst ein theologischer, kein metaphysischer war. Schmölder's
Identificirung des Jl=> mit dem Aristotelischen ouvotpEi o’v (Essai sur
les ecoles pliilosophiques p. 197), die sonst Viel für sich hätte, ist nunmehr
nicht haltbar, wenigstens nicht in der Anwendung auf Gottes
Prädicate.
1 Die hier bekämpfte Ansicht ist die des Al-Kabi. V gl. 8ahr. a. a. O.
S. 79 u. ff. Uebrigens hatte vor diesem schon Nazzäm dieselbe Theorie
über den Willen aufgestellt. Vgl. Sahr. a. a. O. S. 55. Ausser Nazzäm
werden Mawäkifp. 57 noch Gahiz, 'Alläf u. A. als Vertreter dieser Ansicht
angeführt.