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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 71. Band, (Jahrgang 1872)

Ein  mutazilitischer  Kalara.

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Aus  denselben  Gründen,  die  uns  nöthigten,  Gott  als  einigeinziges ­
  Wesen  zu  denken,  müssen  wir  auch  die  Ewigkeit  des
göttlichen  Wortes  zurückweisen.  Zudem  wäre  ja  Ewigkeit  mit
dem  Begriffe  und  dem  Zwecke  der  Rede  gar  nicht  vereinbar.
Gott  redet  vielmehr  durch  ein  Wort,  das  er  schafft,  ohne  dessen ­
  Träger  zu  sein.  Dadurch  kommt  Gott  kein  neues  Prädicat
  zu,  sondern  in  dem  Prädicate  der  Allmacht,  welches  Gottes ­
  Wesen  beigelegt  wurde,  liegt  auch  das.,  dass  er,  wenn  er
will,  auf  uns  so  einwirkt  und  uns  sich  so  verständlich  macht,
wie  der  Mensch  durch  seine  Rede  es  thut.
Damit  ist  im  Compendium  der  erste  Theil  zu  Ende.  Im
Muhtawi  hingegen  scliliesst  der  erste  Theil  mit  dem  Capitel
über  den  göttlichen  Willen  ab.  ,Einige  —  so  beginnt  unser
Autor  —  leugnen  die  Prädicirbarkeit  des  Willens,  indem  sie
unter  dem  Ausdrucke  ,Gott  ist  ein  Wollender'  nichts  weiter
verstanden  wissen  wollen,  als  dass  seine  AVerke  seinem  AAhssen
gemäss  ausfallend  ,Und  wie  sie  Empfindung  mit  Wissen  identificiren,
  also  thun  sie  es  auch  mit  dem  Willen.  Aber,  ebenso
wie  wir  ihnen  dort  entgegen  treten  mussten,  weil  wir  darin
ein  neues  Prädicat  erblickten,  müssen  wir  es  auch  hier.  1  Gott
ist  ein  AA'ollender,  weil  die  Schöpfung  Spuren  des  freien  AVillens
  verräth.  Es  wird  nun  indirect  —  durch  Ausschluss  aller
übrigen  Annahmen,  bewiesen,  dass  Gott  wegen  eines  geschafwerden.

  Die  Lebhaftigkeit,  mit  der  Joseph  für  die  Theorie  Abu-HÄsim’s
eintritt,  zeigt,  dass  er  der  Bahsamija  nahe  stand.  Auf  die  Zustands-Theorie ­
  selbst  wirft  sie  gleichfalls  ein  neues  Licht.  Sie  wird  uns  daraus  klarer, ­
  als  aus  den  Berichten  Sahr.  a.  a.  O.  83.  u.  ff.  99  u.  ff.  Sie  bestätigt
Munk  und  Steiner’s  Vermuthnng,  dass  die  JU  =  Theorie  aus  dem
Streben  hervorgegangen  sei,  die  Einheit  des  göttlichen  Wesens  nebst  der
Vielheit  seiner  Eigenschaften  philosophisch  zu  begründen,  dass  also  ihr
Zweck  zunächst  ein  theologischer,  kein  metaphysischer  war.  Schmölder's
Identificirung  des  Jl=>  mit  dem  Aristotelischen  ouvotpEi  o’v  (Essai  sur
les  ecoles  pliilosophiques  p.  197),  die  sonst  Viel  für  sich  hätte,  ist  nunmehr ­
  nicht  haltbar,  wenigstens  nicht  in  der  Anwendung  auf  Gottes
Prädicate.
1  Die  hier  bekämpfte  Ansicht  ist  die  des  Al-Kabi.  V  gl.  8ahr.  a.  a.  O.
S.  79  u.  ff.  Uebrigens  hatte  vor  diesem  schon  Nazzäm  dieselbe  Theorie
über  den  Willen  aufgestellt.  Vgl.  Sahr.  a.  a.  O.  S.  55.  Ausser  Nazzäm
werden  Mawäkifp.  57  noch  Gahiz,  'Alläf  u.  A.  als  Vertreter  dieser  Ansicht ­
  angeführt.
            
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