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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 71. Band, (Jahrgang 1872)

Eiu  mutazilitischer  Kaläm.

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unserer  Sinnesorgane,  sondern  in  Gottes  Unkörperlichkeit,
welche  für  einen  sinnlichen  Organismus  schlechthin  unerfassbar ­
  ist.
Gott  ist  in  Wahrheit  Eins.  Was  wir  Menschen  sonst
Eins  nennen,  ist  dies  nur  im  metaphorischen  Sinne.  Er  ist  untheilbar
  und  hat  neben  sich  keinen  Genossen;  denn,  gäbe  es
noch  eine  zweite  Gottheit,  dann  könnte  möglicherweise  der
eine  von  Beiden  das  Gegentheil  von  dem  wollen,  was  der  andere ­
  will.  Derjenige  nun,  dessen  Wille  geschähe,  wäre  dann
in  Wirklichkeit  Gott.  Der  Einwand,  dass  sie  in  ihrer  Weisheit
nie  Derartiges  thun  würden,  besagt  Nichts,  weil  doch  wenigstens ­
  die  Möglichkeit  ins  Auge  gefasst  werden  muss,  und  der
muthmasslich  Stärkere  wäre  wirklich  Gott.  Ferner,  gäbe  es
zwei  Gottheiten,  dann  müssten  sie  einander  völlig  gleichen  und
an  allen  Wesensprädicaten  in  gleicher  Weise  participiren.  Was
könnte  aber  diese  Zwei  in  ihrer  Zweiheit  erhalten?  Was  stellt
sich  zwischen  die  Beiden,  dass  sie  nicht  Eins  seien  ?  Bei  Körpern ­
  ist  es  der  Raum,  der  Zwei  von  einander  sondert.  Da  aber
die  Gottheiten  unkörperlich  gedacht  werden  müssen,  also  nicht
im  Raume  sind,  was  wäre  das  Kriterium  ihrer  Zweiheit?
In  Bezug  auf  die  Erkenntniss  der  Einheit  und  Einzigkeit
Gottes  kann  derjenige,  der  nicht  gerade  Verständniss  hat  für
speculative  Untersuchungen,  sich  mit  dem  Glauben  an  das  beruhigen ­
  ,  was  der  Prophet  über  die  Einheit  Gottes  gekündet.
Für  ihn  genügt  die  Stütze  des  Bibelverses:  ,Höre  Israel,  der
Herr,  unser  Gott,  ist  einig  einzig*  (Deut.VI,  4.);  denn  unerlässlich
war  nur  die  Pflicht,  zu  den  Prädicaten  der  Macht  und  der
Weisheit  Gottes  auf  dem  Wege  speculativer  Erkenntniss  zu
gelangen,  weil  sie  die  Grundlage  bilden  für  die  Glaubwürdigkeit ­
  des  Prophetenworts.  Ist  aber  diese  gesichert,  dann  kann
der  Offenbarungsgläubige  in  Bezug  auf  Gottes  Leben,  Empfindungsfähigkeit, ­
  Existenz,  Ewigkeit  und  Einheit-Einzigkeit  sich
an  das  geoffenbarte  Wort  Gottes  anlehnen.  ')

1  Vgl.  des  älteren  Aaron’s  Mibehar  zur  Stelle  und  des  jüngeren  Aaron’s
Ez  Chajim  S.  79  und  80.  Von  den  beiden  Auffassungen  der  Worte  unseres ­
  Autors,  die  übrigens  nicht  viel  variiren,  ist  Aaron  b.  Elia’s  die
richtigere.
Sitzt,  a.  pliil.-hist.  CI.  LXXI.  Bd.  I.  Hft.  13
            
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