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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 71. Band, (Jahrgang 1872)

Ein  mutazilitisclier  Kaläm.

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um  die  Menschen  zur  Gottesfurcht  anzuleiten,  zum  Zwecke
des  ms’ 1 ?.  1  und  ihr  Leiden  wird  ihnen  reichlich  im  Jenseits
gelohnt  werden.  2
In  der  Körperwelt  unterscheiden  wir  lebende  und  leblose ­
  Dinge.  Lebend  nennen  wir  Alles,  was  Träger  des  Vermögens ­
  und  Wissens  entweder  ist  oder  werden  kann.  Für
leblos  halten  wir  Dasjenige,  dem  jene  Prädicate  nie  und  nimmer ­
  zukommen.  Da  dem  göttlichen  Wesen  aber  Vermögen  und
Wissen  zugesprochen  werden  müssen,  darum  darf  es  nicht  dem
leblosen  Metall  verglichen  werden,  sondern  ihm  muss  auch  das
Prädicat  des  Lebens  unbedingt  zugesprochen  werden.
Eine  der  wichtigsten  Lebensäusserungen  ist  die  Empfindungsfähigkeit. ­
  Empfindung  tritt  bei  jedem  lebenden  Wesen,
das  nicht  durch  besondere  Verhältnisse  daran  gehindert  wird,
sofort  zu  Tage,  wenn  ein  Gegenstand  der  Empfindung  für  dasselbe ­
  vorhanden  ist.  Die  Hindernisse  nun  liegen  einerseits  in
der  relativen  Schwäche  oder  Krankheit  der  Organe,  andererseits ­
  in  räumlichen  Verhältnissen.  Gott  aber  bleibt  unbeirrt
von  diesen  Hindernissen,  da  er  keine  Organe  hat,  in  denen
sein  Leben  pulsirt,  sondern  seinem  Wesen  nach  lebend  ist,  da
er  ferner  auch  von  den  Grenzen  des  Raumes  nicht  beengt
wird.  Ihm  muss  demnach  Empfindungsfähigkeit  zuerkannt  werden. ­
  Wann  und  wo  etwas  sichtbar  oder  hörbar  wird,  sieht

1  Von  den  Karäern  gebildet  aus  der  hebräischen  Wurzel  Der  entsprechende ­
  griechische  Ausdruck  heisst  im  Mulitawi:  (lies
/.ußfpwjm?.
2  Zur  Sache  wären  besonders  die  verschiedenen  Ansichten  hierüber  im  Mawäkif
  p.  151  und  ff.  namentlich  p.  152  zu  vergleichen.  Der  Zusammenhang ­
  der  letzten  Gedanken  ist  zu  eigenthiimlicli,  die  Rechtfertigung
der  Prädicate  Macht  und  Wissen  durch  ein  dem  Leben  entnommenes
Beispiel  und  durch  Davids  Gebühren  vor  Achisch  ist  zu  kühn,  als  dass
wir  nicht,  wenn  wir  demselben  Zusammenhänge  und  denselben  Beispielen ­
  in  einer  anderen  Schrift  wieder  begegnen,  darin  ein  Argument  finden
sollten,  wenn  sonst  Nichts  im  Wege  steht,  diese  unserem  Autor  zuzuerkennen. ­
  Darauf  gestützt  möchten  wir  auch  die  ,Fragen  des  Abu-Iakub‘,
deren  Autor  bisher  noch  nicht  mit  Sicherheit  bekannt  ist,  unserem  Autor,
der  ja  gleichfalls  Abu-Iakub  heisst,  zuschreiben.  Darüber  an  einem  andern ­
  Orte.
            
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