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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 71. Band, (Jahrgang 1872)

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Frankl.

theilnehmen,  ohne  jedoch  darum  auch  am  Prädicate  ,mächtig*
gleichen  Antheil  zu  haben.  So  ist  z.  B.  der  Kranke,  ebenso
wie  der  Gesunde,  existent,  lebend  und  wissend,  leistet  aber
dennoch  nicht  dasselbe,  und  ist  darum  auch  nicht  mächtig  zu
nennen.  Wenn  Gott  ein  ,Mächtiger*'  genannt  wird,  so  ist  darunter ­
  zu  verstehen,  dass  ihm  die  Schöpfung  der  Welt  möglich ­
  geworden.
Wenn  nun  das  Schaffen  und  Hervorbringen  eines  Werkes ­
  überhaupt  zum  Prädicate  der  Macht  berechtigt,  so  bezeugt
die  Gelungenheit  und  die  harmonische  Vollendung  eines  Werkes ­
  die  Fähigkeit  und  die  Weisheit  seines  Meisters,  ln  diesem
Sinne  legen  wir  darum  Gott  ein  neues  Prädicat  des  Wissens
bei,  welches  aus  einer  neuen  Seite  der  Weltbetrachtung  sich
ergibt.  Nun  könnte  man  einwenden,  wenn  die  Schönheit  der
Pflanzenwelt,  die  Gesetzmässigkeit  im  Wandel  der  Gestirne
imd  vor  Allem  die  Schöpfung  des  Menschen  die  Fähigkeit
ihres  Schöpfers  erweisen,  dann  müsste  ja  auch  im  entgegengesetzten ­
  Falle,  das  Misslingen  eines  Werkes  auf  die  Unfähigkeit ­
  des  Meisters  hindeuten.  Und  die  Missbildungen  innerhalb
der  Natur,  besonders  die  Missgestaltung  einiger  Menschen,  die
mit  Gebrechen  behaftet  sind,  bezeugen  sie  nicht  das  Unvermögen ­
  oder  die  Unkunde  ihres  Erzeugers,  Gottes?  Nein  —
antwortet  unser  Autor.  —  Ebenso,  wie  dem  ,Mächtigen*  nicht
die  Macht  abgesprochen  werden  kann,  weil  er  nicht  fortwährend ­
  schöpferisch  wirkt,  da  der  Schaffenstrieb  nicht  immer  rege
sein  muss,  ebenso  wenig  darf  demjenigen,  von  welchem  einmal ­
  erwiesen  ist,  dass  ihm  das  Prädicat  des  Wissens  zukommt,
dasselbe  wieder  abgesprochen  werden,  wenn  er  einmal  ein
minder  gelungenes  Werk  liefert.  Dahinter  kann  oftmals  eine
tiefere  Absicht  stecken.  Wie  der  Kundige  oftmals  seine
Fähigkeit  verbirgt,  wie  er  mitunter  Untüchtiges  schafft,  um
sich  dadurch  dem  lästigen  und  gefährlichen  Frohndienste  eines
Herrschers  zu  entziehen,  der  die  tüchtigen  Kräfte  an  seinen
Hof  zieht,  wie  König  David  sich  vor  Achisch  einem  Wahnsinnigen ­
  gleich  geberdete,  ohne  es  darum  auch  in  Wirklichkeit
zu  sein  (Könige  I,  21,  14),  weil  er  dadurch  die  Rettung  seines
Lebens  erzielen  wollte;  so  hatte  Gott  sicherlich  einen  tieferen
Grund,  warum  er  die  Missgeburten  schuf.  Sie  dienen  dazu,
            
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